Der Bär

Ortlergruppe

Der Bär sei gar nicht runter ins Tal gekommen, sagten alle. Der habe nur auf der anderen Seite kurz übers Joch geschaut und im Schnee gespielt. Ein junger, abgewandert aus der Brenta. Vielleicht hatte ihm jemand gesteckt, daß es in Graubünden besser sei, da machte er hier nur Rast. Lies weiter!

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connections #2 palimpsest

4001 Königsblau
Was bleibt von mir? Was macht mich aus? Was hat wirklich Bestand? Wie angsterfüllt kann ein Leben sein, wenn man Zeit damit verbringt, auf den unweigerlich nahenden Tod zu starren und die eigene mediokre Existenz. Wieviel Angst kann man haben, wenn der Blick nur auf das zu Erreichende gerichtet ist, auf die gesellschaftlich sanktionierten Meilensteine des bürgerlichen Lebens, auf den Erwerb von Besitz, seine Erhaltung, seine Weitergabe an die Nachkommen. Wie leicht ist da das Urteil gefällt, man habe nichts erreicht, gelingt das nicht … Lies weiter!

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Rheingrau

7. Februar 2003

Erst vier Frauen, drei junge am Rhein entlang und die wohlerzogene alte Dame – ich biete Schokolade an, aber die Konversation erstirbt nach wenigen Sätzen –, dann drei Männer und die Alte und eine Frau, Männer mit Goldrand, Zwiebelfleischgeruch und Musik im Ohr.

Gewerbe, Rheingrau, Gewerbe, dazwischen Wohnen, nun Albdurchbruch, Schnee, Tunnels: drückt ein wenig in den Ohren – bald Stuttgart.

Heimatlos geworden; kann Heimat nirgends anders denken als da, wo sie denkt, nirgendwo Feste und Lachen denkbar; nirgendwo Gewinn als da, wo sie die Wege kreuzt. Kann nur am Wetter liegen …

Albwellen. Weißbraun erstarrter, schmutziger Schaum. Und in Stuttgart alle raus. Ich auch. Muß mir dort guten Rat holen. Erwarte Schonungslosigkeit. Lies weiter!

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Am Rhein

Zoobrücke

Der Rhein ist cool. Ich war oben, wo er entspringt, ich war unten, an der Mündung, aber so richtig Rhein ist er nur hier. Klar.

Am Rhein, da find’ ich immer linke Schuhe. Ich sammle sie und nagel’ sie an Bäume. Falls jemand sie vermißt.

Am Rhein sitzen ist sehr praktisch: Man kann sich aufs Wesentliche konzentrieren und den Ballast reinwerfen. Den fressen dann die Fische. Lies weiter!

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Eldorado Deutz, 2015

Eldorado Deutz

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Kleiner Himmel, kleine Hölle

Deine Eltern nennen Dich Helga, geboren wirst Du am 21. Mai 1947 im zertrümmerten Köln. Deine Mutter ist eine Vertriebene aus dem Osten, eine harte Frau, die es hier gut antrifft, einen Mann findet und drei Töchtern das Leben schenkt. Du bist die mittlere. Sie erzieht euch mit aller Strenge zu guten, moralischen Menschen. Was schimpft sie, als ihr groß werdet und Lust habt, feiern zu gehen! Dann triffst Du den Jungen mit den traurigen Augen …

Christa Helga 1953

Christa Helga, 1. Klasse, 1953

Das sind die frühen 60er Jahre, es ist noch nicht richtig losgegangen mit Aufbruch und Revolution und sexueller Befreiung und alldem. Köln ist tiefschwarz katholisch, überall noch Ruinen, ein bißchen Rock’n’Roll, ein bißchen Beatles, dumme Jungs in Karottenhosen mit messerscharfer Bügelfalte und Pomadenfrisur und naive Mädels mit hochtoupierten Frisurenmonstern in Synthetikkleidchen. Auf den Partytischen stehen Mariacron und Lord Extra, die heimgekehrten Väter sind wieder fett geworden.

Der Junge mit den traurigen Augen ist der Sohn eines Dachdeckers, eines Kriegsheimkehrers, der kurz nach Kriegsende eine junge Witwe heiratet, die einen kleinen Jungen durchbringen muß. Ihr gemeinsamer Sohn wird im selben Jahr wie Du geboren, nur ein Vierteljahr nach Dir. Kinder spielen in Ruinen und kommen schon mal nicht nach Hause, weil ein Blindgänger explodiert. Es gibt so viel aufzubauen, Handwerker haben genug zu tun; ein Dachdeckergeselle ist da keine schlechte Partie. Lies weiter!

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connections #1 lifelines

lifelines_desaster77

Seit zehn Jahren stehe ich morgens auf, fahre im Norden an der Stadt vorbei, gehe arbeiten, fahre zurück, gehe schlafen. Nur, damit es was zu essen gibt, ein Dach über dem Kopf, manierliche Kleidung. Gefräßiger Alltag, der kaum etwas zurückgibt, sich aber ausgiebig am Buffet bedient, Freundschaften frißt, Verbindungen kappt, Brachen hinterläßt. Wie ein beständiger Reiz im Gehirn wird nur noch diese eine Bahn verstärkt, die Lebensunterhaltsbahn, andere Verknüpfungen veröden und sterben ab. Schlägt der Blitz in diese Lebensader, wird es schlagartig dunkel. Es gibt kein Backup, keinen Plan B, kein Reservesystem. Hektisch blinkt die Fehleranzeige im Dunkel, ungebetene Kommentare aus dem Hinterstübchen spielen den Soundtrack dazu: „Hättest du mal lieber …“ und „Wärst du doch …“ Stop. Not-Aus. Neustart. Lies weiter!

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Zu Fuß nach Punta Arenas

Fitz Roy und Cerro Torre

Fitz Roy und Cerro Torre · Foto: Prissantenbär


Das Dumme an Kettenbriefen in begrenzten Benutzerkreisen ist, daß sie immer wiederkommen. So ereilte mich nun binnen kurzer Zeit die zweite Nominierung für ein Blogstöckchen, diesmal ausgesprochen von Erna Rakete aka. @denkfett, der einzigen Frau, die mich jemals dazu bewegen könnte, Yoga in einem Parkhaus zu praktizieren – aber sagt es ihr nicht, sonst muß ich das am Ende wirklich tun … Lies weiter!

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Für einen guten Menschen

Kerze Lies weiter!

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Löcher im Bauch – wenn Kinder fragen

Sonne
„Wer hat eigentlich alles erfunden?“ – Mit diesem Spruch inspirierte mich meine fünfjährige Tochter zu der Geschichte von Anita, der Trollkönigin, von der ich dann prompt ein schmeichelhaftes Portrait anfertigen mußte. Eine süße Geschichte, die aber nicht verhehlen kann, daß die alltäglichen Fragen der Kinder oft viel härtere Nüsse sind. Lies weiter!

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