Ferien am Fluß

Kamele

Tag 1

Nun habe ich das kleine blonde Kind mitgenommen und Mama wird heute abend sehr froh sein über die Ruhe, morgen vielleicht auch noch, aber schon übermorgen wird sie die Kleine schon wieder so sehr vermissen, daß sie täglich anruft. Oder sie genießt einfach ihre neue Liebe. Das ist ja wie nochmal Zwanzig sein.

Das erste Detail schon beim Einkaufen: Ich kann endlich den billigen Frischkäse kaufen, was ich sonst nie tue, weil die Packung so groß ist und der immer vergammelt, weil die Tochter so selten hier ist. Tja, jetzt geht das.

Am Nachmittag schauen wir den Zirkus auf dem Drachenspielplatz hinterm Haus an. Das Kind liebt die Lamas, fragt sich aber, ob die Kamele wohl spucken und warum die Höcker so schlaff herunterhängen. Im Kleintierzoo ist eine Ratte ausgebüxt und will zurück zu ihren Kumpels, die alle in einem Rohr liegen und schlafen. Kriegt es aber nicht hin. Also sind wir zum Vordereingang und sagen einem jungen Mann Bescheid, der sich um ein paar kleine Hunde kümmert. Und als ich noch so mit ihm rede, hängt mir doch ein Spitz am Fuß und verbeißt sich in meinen Schuh! Die kleine Mistfliege!

Abends kochen wir Spätzle – Papa paßt schon wieder nicht mit dem Salz auf, geht aber gerade so in Ordnung. Dann das Internet anwerfen und unseren Ferienplan fertigmachen: was, wann, wohin, wie teuer? Darf alles nicht viel kosten. Und – ZACK! – sind 14 Tage voll. Das wird schön!

Hauptsache, in Bewegung bleiben, Dinge sehen, über Einfaches nachdenken. Nur nicht an Mama. Also ich nicht. Dann ist da nämlich wieder das Loch, das mal eine Familie war. Jetzt ist da ein Bauzaun. Bloß nicht durchgucken!

Zur guten Nacht noch ein niedlicher kleiner Kinderfilm mit Wackelkamera über ein niedliches Alien, das nach Hause will. Die Kinder kriegen das hin. Entfernung ist kein Ding, wenn man Freunde hat. Ich bin ein Alien.

Freibad Vingst

Tag 2

Daß wir heute ins Freibad gehen würden, war nach dem gestrigen Blick auf die Wettervorhersage klar – die nächsten Tage werden eher wenig sommerlich. Die Kleine freut sich wie Bolle (ich bin eher kein Fan vom in der Sonne herumliegen, aber den Wunsch wollte ich ihr erfüllen).

Zeitig auf, Frühstück, schnell noch ‘nen Nudelsalat aus Resten gemacht – das muß ja alles kostengünstig sein hier, das Konto droht … – den Fahrradanhänger beladen und ab nach Vingst ins Naturfreibad. Da wollte ich immer mal hin.

Vorher einen Umweg gefahren und in Merheim beim Haus Schlagbaum stehengeblieben, Fotos machen, kommt ’ne Schwangere raus und fängt gleich an zu erzählen: die Wetterfahne auf dem Eckturm zeige Europa mit dem Stier – das Kind kann damit nichts anfangen, die humanistische Bildung kommt erst noch. Eine alte Dame kommt hinzu und erzählt was zur Geschichte des Hofes – 15. Jahrhundert, nach dem Krieg wiederaufgebaut – zeigt das verwitterte Relief mit Adam und Eva über dem Tor, man bittet uns rein und zeigt uns den Innenhof und die Figur des Bergischen Löwen und das Kind erinnert sich, daß das Bergische nicht von den Bergen, sondern von den Grafen von Berg kommt.

Kurz nach Mittag steht vor dem Bad schon eine lange Schlange. Und drinnen ist es sehr schön: hügelige Wiesen, alte Bäume, viel Schatten, schöner Sandstrand an dem alten Baggersee, kühles, sauberes Wasser, etwas trüb, Horden von Kleinkindern, alles ganz entzückend. Die Tochter hat Spaß im Wasser, schwimmt noch ein bißchen zappelig, hat aber Zutrauen. Wir haben Spaß.

Natürlich gibt es nach dem Nudelsalat noch Pommes und irgendwie kommen wir darauf, wie verschieden die Leute doch aussehen und wie dumm es ist, wenn die Werbung und das Fernsehen den Menschen immer einreden wollen, sich in Normen pressen zu lassen. Da schmecken uns die Fritten gleich nochmal so gut. Und ich denke bei mir an eine, die auch in keine Norm passen würde, dafür aber sehr gut auf mein Badetuch. Vorsicht, Herr Müller, da droht wieder Punktabzug!

Freibadpommes

Kurz vor fünf ist es genug. Wir waren ein paarmal im Wasser, dann wieder im Schatten, aber die Sonnencreme hält nicht ewig. Ne Mütze und ’ne Sonnenbrille muß ich ihr noch besorgen, denke ich. Alles richtig gemacht: das Kind hat keinen Sonnenbrand, ich habe ein paar rote Stellen, das war klar. Aber ich war im Freibad – das habe ich früher oft gehaßt.

Über die Merheimer Heide gemütlich nach Hause, leichter Rückenwind, flirrendblauer Himmel, müde Vogelstimmen, Kühe im Schatten, echter Sommer. Kleinen Umweg über Dellbrück – das Viertel hat nichts mehr für mich außer böse Geschichten aus einem verkorksten Lebensabschnitt, aber das Eis an der Hauptstraße ist gut. Das Kind fischt sich Bücher aus dem Bücherschrank am Brunnen, erst eine zeitgenössisch hippe Berliner Liebesgeschichte für junge Erwachsene – als ich ihr das erkläre, verzieht die Tochter den Mund, sie ist ja erst neun – dann ein Mädchenbuch von 1970. Bin gespannt, was für ein Rollenbild das vermittelt …

Zuhause erstmal ausruhen, wir sind müde. Ich bleibe im Plan, spüle, werfe zwei Waschmaschinenladungen aufs Reck. Ein kaltes Bier, später etwas gebackenes Gemüse mit Aioli, die Kleine macht Bananenjoghurt, wir gucken Fußball, doch das hält sie nicht lange wach – sie dämmert weg, glücklich.

Treibgut

Tag 3

Heute schlafen wir lange, werden erst um halb neun wach – der Tag in der Sonne war wohl ganz schön anstrengend. Der Vormittag ist gemütlich und faul, um Mittag radeln wir ins Viertel, einkaufen, Mütze und Sonnenbrille fürs Kind – was halt so fehlt oder immer wieder verloren geht (eine Mütze verlor sie einmal bei Stadt Wehlen an der Elbe, die wurde vielbeweint und Trost gab es erst mit der Zusicherung, daß irgendein Fisch in der Nordsee sich bald sehr freuen würde) – unbedingt neue Sonnencreme (mein Rücken ziert ein interessantes Muster, das zeigt, wo ich überall nicht drankomme), was fürs Abendessen. Mein Helikopterkind fährt immer besser auf der Straße, begreift die Regeln schnell und gibt gut acht. Ein-, zweimal muß ich sie noch ermahnen, aber insgesamt macht sie es sehr gut!

Am Nachmittag packen wir ein paar Sachen und fahren nach Deutz, wollen den Auenweg runter zum Rheinufer am Jugendpark, aber die Straße ist gesperrt, also rüber zum Katzenbuckel und über den Deichkronenweg – das ist Camel Trophy: ein tiefes Loch nach dem anderen, Brennesseln und Brombeeren haben den Weg fast überwuchert, doch sie schlängelt sich gutgelaunt durch. Wie unbeschwert ist dieses Kind, wieviel Liebe haben wir da reingegeben! Ich bin immer wieder ganz begeistert.

Jetzt, da der Pegel wieder normal ist, kann man endlich wieder im Sand sitzen. Ich denke ans blaue Leuchten, das nachts vom Colonia-Hochhaus herüberscheint. Nach einem kleinen Imbiß sammeln wir Treibgut und allerlei Krempel für unser Cheapart-Projekt. Wir finden genug, um irgendetwas Interessantes zu basteln. Mal sehen, was es wird. Manches Fundstück müssen wir liegenlassen, weil es einfach zu modrig riecht – das lag alles wochenlang im Schlamm. Schade um den schreiendbunten häßlichen Desigual-Regenschirm – der hätte eine prima Fledermaus abgegeben, ein Segelschiff oder ein Flugzeug. Aber selbst nach Abspülen und Trocknen riecht er nach Gülle, also lassen wir ihn liegen.

Auf dem Heimweg ist die Kleine immer noch gutgelaunt und immer noch konzentriert, wenn es um den Verkehr geht. Super! Zuhause treffen wir ein paar Jungs am Kiosk. ER ist dabei, der Nette aus ihrer Klasse, den sie so gern hat. Erst ist sie etwas zögerlich, doch dann drücke ich ihr Geld für ein Eis in die Hand und sie zieht mit ihnen von dannen. Eine halbe Stunde später klingelt es an der Tür: da ist sie, völlig aufgekratzt, hinter ihr der Junge. Er wartet an der Tür, ich bitte ihn rein, biete ihm was zu trinken an. Netter Kerl. Dann sitzen sie eine Weile auf dem Sofa und zocken fröhlich. Irgendwann sagt sie „Wir gehen wieder!“ und weg sind sie. Koche ich halt später.

Um halb acht ist sie wieder da, gutgelaunt, fröhlich. Es gibt Blätterteigtaschen mit Spinat und Schafskäse und dazu Tomatensalat. „Mama ißt ja wieder Fleisch“, sagt sie und erzählt, wie sie Burger gegessen haben. Na fein, jetzt bin ich fast vom Fleisch weg …

Noch einen Film und wieder stecke ich ein glückliches Kind ins Bett. Mein Plan funktioniert.

Stadtbibliothek Köln

Tag 4

Wir wachen langsam auf, halb neun, es ist noch schön draußen. Der Erstgeborene kommt um zehn mit Brötchen – gestern hatte er gefragt, was wir machen und ob er mal vorbeischauen könne, weil er doch jetzt zwei Wochen allein zuhause ist. Die Kleine freut sich schon unglaublich, daß er kommt, sie sieht ihn so selten; ich mache Kaffee.

Um zehn ist der Tisch gedeckt. Nur der große Bruder fehlt. Pünktlichkeit ist für angehende Archäologen ja nicht so wichtig, das bleibt ja alles in der Erde, bis sie anfangen zu graben. Um halb elf rufe ich ihn an – „Oh, Mist, hab’ verschlafen …“ Er kommt dann um elf, er kriegt einen Kaffee mit Uhrzeit, damit er sich das mal merkt, wir frühstücken gemütlich, reden ein bißchen, haben ja viel zu selten Gelegenheit. Das tut gut – weil er jetzt erwachsen genug dafür ist, aber auch, weil die Erinnerungen alle noch da sind und wir so nah beieinander bleiben.

Zehn Uhr

Am frühen Nachmittag werden die Wolken dunkler, wir fahren trotzdem los – der Tröpfelregen macht uns nichts aus – nach Mülheim, über die Brücke, am Rheinufer entlang bis zum Dom, quer rüber zur Breite Straße, durchs Gewühl zum Neumarkt, dann sind wir endlich an der Zentralbibliothek. Meine Tochter schlägt sich wacker im Gewühl, ich fahre vor, der Große hinten, die Kleine gut beschirmt dazwischen. Sie ist guter Dinge, der Verkehr schreckt sie nicht, das klappt alles sehr gut. Wer mal tagsüber in der Kölner Innenstadt radgefahren ist, weiß, wie stressig das sein kann.

Als erstes machen wir ihr einen neuen Bibliotheksausweis. Der alte ist ja 2012 abgelaufen, sagt die Dame am Schalter, aber alle Daten sind noch da. Ich schaue kurz bei einer der Bibliothekarinnen vorbei, der ich schon seit Jahren auf Twitter folge und sie hat prompt ein paar schöne Buchtips fürs Kind – hab’ ich gleich vorbestellt, das klingt wirklich gut.

Im Untergeschoß wühlen wir uns zwei Stunden durchs Angebot, ein paar Bücher, Comics, Filme, sehr entspannt. Nein, „Lassie“ nehmen wir nicht mit, „Hägar“ auch nicht – den findet der große Bruder immer noch witzig, die kleine Schwester merkt nach dem Anlesen, daß ihr der Humor nichts sagt. Dann müssen wir auch schon wieder los. Zurück durchs Gewühl, das Kind wieder aufmerksam, runter zum Rhein – nicht ohne kleinen Snack, klar – und ab Mülheim über die Felder nach Hause.

Wie vorhergesagt ruft Mama heute zum ersten Mal an, nachdem sie zum ersten Mal ’ne Nachricht mit der Frage schickte, wie’s uns geht. Vielbeschäftigte Frau, beruflich, privat, immer Termine, aber sie muß zumindest mal die Stimme der Prinzessin hören. Sie könnte auch rüberkommen, dauert nur fünf Minuten, aber die Zeiten, wo wir das gemacht haben, um dem Kind ein bißchen Familie zu lassen, sind jetzt wohl vorbei. Es geht alles weiter.

Der Große bleibt noch zum Essen, es gibt kostengünstige Sesamkartoffeln mit Balsamico-Gurkensalat und Ziegenjoghurt, zum Dessert dicke Apfelpfannkuchen. Dann lassen wir den Film sausen und spielen ein Kartenspiel, das er ausgeliehen hat. Die beiden ledern mich gnadenlos ab, die Kleine begreift sehr schnell, wie es geht. Sie ist zwar müde, aber Papa abziehen, das geht noch.

Um elf ist Schluß. mein Sohn ist glücklich, meine Tochter ist glücklich und schläft rasch ein, ich bin glücklich über diese Kinder. Wenn ein bißchen davon bleibt, werde ich nie einsam sein.

Bouldern

Tag 5

Heute schlafen wir wirklich lange, halb zehn ist es, als ich aufwache – die Kleine schläft sogar bis zehn. Gestern waren es wieder 30 km auf dem Rad, das zehrt wohl ganz schön. Zum Brötchenholen sind wir beide zu faul, aber es ist genug da fürs Frühstück. Bis Mittag sitzen wir ganz gemütlich da, wir lesen.

Dann packen wir unsere Sachen und fahren nach Mülheim ins Stuntwerk – heute wird gebouldert! Das sieht ja erst ganz simpel aus, wenn man vor diesen niedrigen Wänden steht, ein paar kurze Routen raufklettert und wieder runterspringt, doch dann geht es an die überhängenden Teile und da merkt man schnell, wo der Wohlstand sitzt: nicht in den Armen jedenfalls, eher am Bauch. Anstrengend ist das! Die Tochter hat Spaß daran und stellt sich geschickt an – geschickter als ich. Die meisten Aufgaben stellen mich vor unlösbare Probleme (ich bin Bergwanderer, kein Kletterer, und in der Halle am Toprope klettere ich selten etwas über 4+), sie knabbert auch ein bißchen, aber seltsamerweise verlieren wir die Lust nicht. Die Kleine verbeißt sich ganz besonders in ein Dach – es gelingt ihr zwar nicht, über die Kante zu kommen, aber sie versucht es immer und immer wieder. Nach drei Stunden sind wir erschöpft, aber wir werden wiederkommen, so viel ist sicher.

Daß wir danach extra weit raus in den Supermarkt fahren, den ihre Mutter bevorzugt, hat ja nur den Grund, daß ich noch Kühl-Akkus brauche – die scheint es nirgends zu geben. Dort auch nicht. Stattdessen treffen wir, tatsächlich Zufall, ihre Mama. Müde sieht sie aus, aber es ist schön, sie mal zu sehen.

Zuhause gönne ich mir erstmal ein Radler. Als ich dann ankündige zu kochen, ist das Kind schon eingeschlafen – völlig kaputtgespielt von drei Stunden Klettern und 20 km Radfahren. Als sie wieder wach ist, genießt sie trotzdem meine Wraps mit Bulgursalat und dann schauen wir uns noch „Der Kleine Prinz“ an, den ich im Kino verpaßt habe. Schöne Neuinterpretation (ich verpenne leider die zweite Hälfte). Und sie will nun unbedingt das Buch lesen.

Jetzt schläft sie selig, Tag 5 in Folge glücklich. So gehört das.

Malzmühle

Tag 6

Nennen wir es einen Ruhetag. Heute morgen tun uns beiden ein bißchen die Knochen weh. Also, eigentlich ist es Muskelkater und die Hände schmerzen auch noch etwas vom Klettern gestern. Gut, daß es heute kein anstrengendes Programm gibt, da können wir es ruhig angehen lassen.

Nach dem Frühstück ruhen wir uns also nochmal aus. Als ich später ins Bad gehe, um mich zu frisieren, verpaßt die Tochter ihren Monsterbarbies ebenfalls neue Frisuren, anschließend kehrt sie die Hütte, ungebeten. Ist halt ein hilfsbereiter Mensch, meine Tochter.

Für den Nachmittag haben wir uns auf einen Kinobesuch geeinigt, „Alice im Wunderland“ Teil 2, weil sie den ersten so faszinierend fand. Als wir kurz vor vier im Kino ankommen, stellen wir fest, daß er heute nur um 15 Uhr läuft, statt um 17 Uhr wie letzte Woche – wir sind zu spät. Hätte ich das mal besser vorher gecheckt. Was nun? Nach kurzer Beratung einigen wir uns darauf, den Film morgen anzuschauen und stattdessen Kuchen essen zu gehen.

Das Café Schnurrke ist ein Katzencafé, die Karte ist vegetarisch und vegan, das Interieur voll mit Spiel- und Schlafgelegenheiten für die vier Katzen des Hauses, allesamt ehemalige Straßenkatzen aus einem Tierheim in Spanien. An den Wänden ziehen sich Konsolen entlang, es gibt Leitern und Treppen, Aussichtsebenen, ein Hinterzimmer und ein Außengehege, in das sich die Tiere zurückziehen können. Die Kleine findet es ganz zauberhaft und ich finde den Kuchen sensationell, sowohl meinen Carrot Cake mit Topping aus Vanille-Frischkäsecreme als auch ihren New York Cheesecake. Die Katzen sind eher unspektakulär, weil arttypisch völlig verschlafen (und, ja, es gibt den Klassiker: die Katze, die alle Kuschelkörbchen verschmäht, um im Pappkarton zu pennen), nur ein Kater ist zum Spielen aufgelegt, nachdem er zuvor zielsicher meine Tochter ansteuerte und sich an sie kuschelte.

Katze im Karton

Nach einer Stunde ziehen wir weiter, die Sonne scheint. Wir lassen uns durch die Altstadt treiben, setzen uns vor den Dom und schauen den Leuten auf die Smartphones – bestimmt die Hälfte ist damit beschäftigt, Pokémon zu fangen, als gäbe es in der ganzen Stadt nichts anderes zu sehen. Verrückt. Highlight ist eine vollbesetzte A-Klasse mit vier jungen Männern: alle vier, Fahrer eingeschlossen, starren sie auf ihre Smartphones, auf der Jagd nach Pokémon.

Wie immer, wenn ich mit der Kleinen in der Stadt unterwegs bin, fragt sie mir Löcher in den Bauch und ich gebe meine lückenhaften Kenntnisse in Stadtgeschichte zum Besten, was römisches hier, die Knochen von Ursulas 11000 Jungfrauen dort, Tünnes und Schäl um die Ecke und die Roten Funken da („Nit scheeße! Sit ihr nit, dat he Lück stonn?“ sollen sie den französischen Revolutionstruppen weiland zugerufen haben, bevor sie ihnen kampflos die Schlüssel der Stadt aushändigten). Am Rathausturm kratze ich zusammen, was ich über die Figuren an der Fassade weiß (mein Liebling ist Sulpiz Boisserée, der mit Meister Gerhards Originalplänen von den unvollendeten Domtürmen auf Fundraising-Tour ging, damit jemand die verdammte Ruine mit dem Kran obendrauf fertigbaue), unten auf dem Alter Markt erzähle ich ihr am Jan-von-Werth-Brunnen nochmal die Geschichte von Jan und Griet, auf Kölsch natürlich – dafür unterbricht sogar ein Rikschafahrer den Vortrag an seine Fahrgäste. Und wie immer gilt mein Gedanke allen Griets, die nicht raffen, daß nicht hinter jeder Ecke ein besserer Mann wartet. Weiter kreuz und quer durch die Gassen, bis wir auf dem Heumarkt stehen. Was wollen wir machen?

Kurzerhand beschließe ich, daß die Kleine alt genug ist für einen Besuch im Brauhaus und nehme sie mit in die Malzmühle. Sie ist ganz begeistert davon, daß die Kölsche Fooderkaat auf Kölsch geschrieben ist (naja, teilweise, Englisch ist auch dabei), aber mit Halve Hahn, Kölschem Kaviar oder Metthappen brauche ich ihr nicht kommen – sie will gebackenen Camembert. Ich bin ein bißchen enttäuscht vom Essen, das habe ich besser in Erinnerung – Himmel un Ääd mit Kompott aus dem Glas statt angeschwitzten Äpfeln und Schmor- statt frisch gemachter Röstzwiebeln kann ich nicht ernstnehmen. Aber ihr gefällt es da und es ist ja auch wirklich eines der nettesten Brauhäuser und mein liebstes (die Köbesse verkneifen sich übrigens allzu prolliges Getue, wie es andernorts aus Imagegründen gepflegt wird). Danach laufen wir über die Brücke nach Deutz, bewundern die Wolkenbilder und freuen uns über witzige kleine Streetart-Pretiosen. Noch ein kurzer Exkurs zur Geschichte des Castrum Divitensium und warum es schlau ist, die Brücke ins reiche Köln vor den Barbaren aus den Wäldern im Osten zu schützen, dann setzen wir uns in die Bahn und fahren heim.

Zuhause gibt es noch „Doktor Proktors Pupspulver“ – skurriler norwegischer Kinderfilm, aber sie mag ihn. Und wieder sagt sie, es sei ein schöner Tag gewesen. Ich mache einen Haken dran.

Frühstück

Tag 7

An dieses lange Ausschlafen könnte ich mich wirklich gewöhnen. Es ist nach zehn, als wir hochkommen, aber dann wird es auch schon wieder knapp: Frühstück, fertigmachen, dann brauchen wir auch noch eine Fahrkarte für morgen, einkaufen müssen wir irgendwann auch noch und weil das mehrere Stationen sind, will ich es mit dem Rad schaffen, weil Bahnfahren so zu teuer ist. Klappt aber alles ganz locker.

Am Bahnhof Mülheim möchte ich ein Schönes-Wochenende-Ticket ziehen, doch der Automat überfordert mich heute. Da bezahle ich lieber zwei Euro mehr und lasse die netten Azubis am Schalter das machen. Die Kleine schlägt sich wieder wacker im Verkehr. Manchmal ist es mir aber zu heikel und ich lasse sie auf dem Gehweg weiterfahren. Auf der anderen Rheinseite ist es dann besser. Nur ein paar schlangenlinienfahrende Jungs mit Handy im Anschlag, die Pokémon jagen, muß ich wegklingeln.

Nun gucken wir endlich „Alice im Wunderland“ Teil 2, eines von Alan Rickmans letzten Engagements – kurz gesagt: vernachlässigbare Geschichte, sieht aber gut aus (bestimmt toll in 3D, den gibt’s aber nicht mehr) und am Ende haben sich alle lieb. Neben mir hat einer den Film durchgepennt, aber seine Tochter hatte Spaß. Hinter uns witzeln zwei halbwüchsige Mädels, wollen unbedingt, daß Alice mit dem gutaussehenden Buchhalter zusammenkommt (mein Kind kichert), danach streiten sie sich, ob Johnny Depp ein Schauspieler oder eine Schauspielerin ist (mein Kind lacht, wir machen Ghettofaust, weil sie es nicht raffen).

Auf dem Heimweg klappt alles super, nur eine Horde Pokémonjäger müssen wir am Rheinufer beiseiteklingeln. Wir kaufen noch was ein fürs Abendessen – der große Bruder kommt, es gibt Spaghetti Carbonara (die nächste wird besser …) und Salat. Er bleibt heute hier, weil er morgen mit uns nach Xanten fährt. Die beiden haben noch Spaß mit Rocketbeans TV – endloses Gegiggel über alberne Witze, aber es sei.

Jetzt schlafen sie und sind glücklich.

Amphitheater

Tag 8

Der Archäologische Park in Xanten steht schon lange auf meiner Liste für mögliche Ausflüge mit den Kindern, jetzt komme ich da endlich mal hin. Wenn man schon mal einen Archäologen in der Familie hat, muß man das ja machen.

Das ganz frühe Aufstehen klappt nicht so ganz, wird halb acht statt sechs Uhr, aber wir lassen uns nicht hetzen. Ich hole Brötchen, wir frühstücken, ich mache Brote, ganz klassisch (ja, wir bringen wieder welche mit zurück). Die Fahrt dauert mit Umsteigen zwei Stunden, da muß man ja was essen …

Xanten wird auf jeden Fall ein Zwischenhalt, wenn ich mal mit dem Rad ans Meer fahre. Nettes Städtchen, viel historischer Krempel, wenig spektakulär, aber eben mit der Ausgrabung der römischen Stadt nebendran, samt wiederaufgebauten Teilen: Amphitheater, Mauern, Türme, Tore – die Tochter findet die Bauten ganz großartig. Das Geschichtliche interessiert sie eher weniger, aber daß man Leute in der Arena den wilden Tieren zum Fraß vorwarf, das erschüttert sie doch. Sie würdigt die verschiedenen Teile der Ausstellung mit freundlichen Blicken, schaut sich die handwerklichen Vorführungen an, verschmäht aber das römische Essen (deftige Würste, Linsen mit Gerste und Gemüse), klettert begeistert aufs Tor, aber das Highlight ist die original römische Hüpfburg … (ein riesiges PVC-Kissen wie in jedem Indoor-Spielplatz zu finden). Später im Museum findet sie immer wieder Details, die sie interessant findet, aber im Großen und Ganzen genießt sie es, mit Vater und Bruder unterwegs zu sein. Das zählt.

Nach einigen Stunden ermüdender Latscherei gibt’s noch ein Eis auf die Hand, dann quetschen wir uns wieder in die Bahn, die sich immer mehr mit Leuten füllt, die zu den Kölner Lichtern wollen. Daheim ist sie nur noch müde. Jetzt schläft sie, dem Vernehmen nach wieder mal glücklich. Irgendwas mache ich hier richtig.

P.S.: Ich könnte hier noch lang und breit über den Park erzählen, aber fahrt lieber selbst hin! (Eintritt für Kinder bis 18 frei)

Labyrinth

Tag 9

„Kann ich morgen ausschlafen?“ fragte die Kleine gestern. Klar, warum nicht? Daran erinnere ich mich, als ich um halb acht aufwache und drehe mich nochmal um. Wird dann halb elf. Kein Problem, denke ich, wir wollen ja nur nach Bonn.

Die Fahrt mit der 16 ist nicht sehr aufregend, es ist schwül, die Luft in der Bahn ist schlecht, wir sind froh, als wir endlich ankommen. Wir laufen von der Museumseile runter zur Rheinaue. Irgendwo da ist das größte mobile Labyrinth der Welt aufgebaut, ein sechseckiges Ding aus Plastikplanen, das immer wieder umgebaut wird, um den Spaß lebendig zu erhalten – da kommt ein Maislabyrinth nicht mit. Wir haben im Vorfeld ausgiebig diskutiert, wie wir da durchkommen, ob mit der Hand an der Wand entlang oder mit der Ariadne-Methode (und wer war eigentlich dieser Theseus?), aber als wir drin sind, wird es ein lustiges Umherirren.

Schließlich stehen wir vor der zentralen Aussichtsplattform und warten, bis die kleine Zweijährige, gelockt von ihrer Mutter, die steile Treppe herabkommt, drei Dutzend Ungeduldige hinter ihr. Eine andere Mutter bittet, die Kleine möge doch bitte auf den Arm genommen werden, doch die Angesprochene mault, die „blöde Kopftuchtante“ möge doch bitte den Mund halten. Sozialstudien im Freizeitstreß …

Danach gibt es erstmal einen Snack im Biergarten. Anschließend gehen wir runter zum Rheinufer, stromabwärts gibt es einen Anleger, da wollen wir das Boot nach Köln nehmen, doch da rächt sich das Ausschlafen: das Boot ist schon weg, wir müssen noch ein Stück laufen, vier Kilometer den Bonner Bogen entlang, nehmen das maßstabsgetreue Modell des Sonnensystems zur Kenntnis, bemessen die Sportlichkeit anderer Ausflügler, zählen die „Elektroschummler“ und muntern uns gegenseitig auf, weil unsere Füße schmerzen. Zur Belohnung eine Pizza im Biergarten am Alten Zoll. Ein schöner Platz.

Auf dem Weg zum Bahnhof nehmen wir noch ein paar Eindrücke vom Afrika- & Orient-Kulturfestival mit: Musik, Verkaufsstände, Freßbuden … Doch wir sind leider schon satt und die Ferienkasse mault.

Endlich zuhause gibt es nach langem mal wieder eine Vorleserunde: ob die Runde in Elronds Haus endlich beim Mittagessen angekommen ist? Die Tochter nimmt es erleichtert zur Kenntnis. Und dann nimmt Frodo den Ring und der treue Sam geht mit. Den mag sie.

Einschlafen geht dann schnell. Mein Kind lächelt. Das ist meine Welt.

Mueller Beach

Tag 10

Es wird warm, wir lassen es langsam angehen. Den Campingkrempel zusammenzusuchen und einzupacken, dauert nur eine Stunde. Der Anhänger ist fast groß genug für alles. Fast. Also doch noch einen Rucksack schultern und schwitzen …

Die erste Pause machen wir nach kaum einer Dreiviertelstunde am „Schwimmbad“ auf der anderen Rheinseite, Pommes und was Kaltes – wir haben Ferien, wir dürfen das. Der nächste Halt folgt am Rheinhaufen, für ein Eis, aber jeder nur eine Kugel bei den Preisen. Dann geht’s gemütlich weiter.

Am Nachmittag kommen wir am Campingplatz in Rodenkirchen an. Er ist gut belegt, aber es gibt noch freie Plätze. Auf der Suche nach einem schattigen Eckchen verwechsele ich erst einmal die Himmelsrichtungen und wähle dann einen, der morgens UND abends gut besonnt ist. Klassiker … Aber kein Problem: nach dem schweißtreibenden Zeltaufbau verlegen wir unsere Küche einfach in den Schatten des nächsten Caravans. Es gibt Bratkartoffeln und die Kleine lernt die Magie des Spiritus-Sturmkochers kennen: Wie von selbst werden aus Bratkartoffeln, die zuhause jeder verschmähen würde, ein Gourmetgericht.

Nach dem Spülen lassen wir uns noch ein bißchen Zeit, bis die Sonne sinkt, dann schnappen wir uns die Räder und suchen eine schöne Sandbucht. Das Wasser ist wieder gestiegen, der Platz ist knapp, Treibholz ebenso, doch wir finden einen schönen Platz und haben eine volle Tüte mit Brennholz. Sollte reichen.

Wie sie da so steht und mir erzählt, sie habe ein neues Haustier … „Welches denn?“ – „Das Wasser!“ – „Ganz schön langes Haustier“, sage ich, „1200 Kilometer …“ – „Nein, viel länger! Es reicht um die ganze Welt!“ strahlt sie und plantscht selig mit blanken Füßen in den bunten Wellen, die die Schiffe machen. Ist immer ein bißchen wie Meeresrauschen.

Gegen Mitternacht stirbt unser Lagerfeuer dahin, Nachschub ist nicht zu finden. Wir packen ein, gehen duschen und Zähne putzen und kriechen ins Zelt. Es ist angenehm mild, sie schläft sofort ein, lächelnd.

Campingfrühstück

Tag 11

Mit ’ner Neunjährigen in ’nem Zelt für drei (schmalhüftige) Personen zu liegen, klingt nach einem Komfortkonzept, außer, man hat die halbe Nacht ihre Ellenbogen oder andere Knochen im Kreuz. „Das mache ich ja nur, wenn jemand da ist“, sagt die Tochter, und wer will da böse sein?

Die Nacht ist um sieben vorbei, um acht steht die Sonne auf dem Zelt – Zeit, sich ums Frühstück zu kümmern. Ich hole Brötchen am Kiosk, mache ihr einen Kakao, koche Kaffee, und während wir frühstücken, beobachten wir, wie ringsherum gepackt wird – viele fahren weiter, verstauen Unmengen Hausrat in ihren rollenden Häusern, rangieren Caravans mit Fernbedienung von den Stellplätzen. Die bleiben, genießen ihren Kaffee, unweit sitzt ein älteres englisches Paar, das Vorzelt mit Flaggen dekoriert: ich sehe das englische Rot auf Weiß, Schwarzrotgold und die Europaflagge – scheinbar keine Brexit-Fans.

Packen geht schnell, die Kleine hilft gut mit, eine halbe Stunde später ist alles verstaut, wir können los. Ganz gemütlich rollen wir durch die beginnende Mittagshitze rüber ins Rechtsrheinische und sind froh, als wir zuhause sind. Abpacken, duschen. Und gleich wieder einpacken – sie freut sich wie Bolle darauf, den Tag mit ihrer besten Freundin zu verbingen, aufs Plantschen und Grillen und gemeinsam Rumalbern.

Derweil stelle ich mir vor, wie sie auch heute glücklich einschläft, sitze abends mit Bier am Fluß und komme mir ein bißchen nutzlos vor.

Vorlesen

Tag 12

Am Vormittag stehe ich um elf bei der Freundin auf der Matte, um die Tochter abzuholen. Sie toben auf dem Trampolin im Garten, es ist schon wieder brüllend heiß, da schwitze ich schon beim Zuschauen. Der Abend war dem Vernehmen nach sehr schön, sieben Mädels am Grill, alle hatten Spaß. Die Kleine strahlt.

Wir verabschieden uns und flüchten uns erstmal in die (noch) kühle Wohnung. Der Ausflug für heute, eine Radtour zum Bilderbuchmuseum nach Troisdorf, ist da schon gestrichen – so lang will ich sie nicht durch die Mittagshitze radeln lassen, um ein paar Bilderbücher anzusehen. Zum Glück haben wir auch Bücher und von ihrer derzeitigen Lieblingsserie sind ja auch noch ein paar Folgen übrig …

Als die Sonne etwas tiefer steht, radeln wir nach Mülheim. Kaum angekommen, zieht es sich schon zu am Himmel. Erstmal gibt es ein Eis auf die Hand, dann geht es runter zum Rhein. Doch als ich auf der anderen Rheinseite die ersten Regenfahnen herabkommen sehe und Donnergrollen höre, sehe ich von der Idee ab, am linken Ufer unter den Bäumen Platz zu nehmen – Das Kind ist ganz begeistert von den Blitzen, ich finde sie nicht so gemütlich. Kaum sind wir am Fluß, fegen die ersten Böen heran und bringen Regen. Wir suchen Schutz unter der Brücke, doch da treibt der Wind eine Staubwolke heran und allerlei Dreck fliegt mit.

Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei. Wir beschließen, umzukehren, ein weiteres Gewitter kreuzt unseren Weg, doch wir haben Glück und kommen trocken nach Hause. Kurz zuvor kaufen wir ein, was wir morgen brauchen, und würden gern im Supermarkt übernachten, so schön klimatisiert ist der …

Was vom Abend noch bleibt, ist gemütliches Kochen, Tortellini mit der Gemüsesauce, die sie so liebt, und das Ende der Beratung in Elronds Haus – ein endlos langes Kapitel, so ermüdend, daß sie bald einschläft, mit einem dankbaren Lächeln, das mir den Tag gutmacht.

Steinmandl

Tag 13

Als ich morgens rausschaue, freue ich mich darüber, daß es kühler geworden ist und ein paar Wolken am Himmel stehen. Wir wollen doch am Rhein grillen heute, schön schattig unter den Bäumen auf der Halbinsel am Mülheimer Hafen. Die Rechnung scheint aufzugehen.

Erstmal gemütlich frühstücken, dann alles zusammenpacken; am Nachmittag geht es los. Mittlerweile kennt die Kleine jeden möglichen Weg zum Rhein und zurück, schaut, wo sie achtgeben muß und fährt sicher, selbst im Verkehr. Das war gutes Training in den letzten beiden Wochen! Mit heute sind da über 200 Kilometer zusammengekommen.

Unterwegs ein kurzer Zwischenstopp in der Industriebrache am Auenweg, ein bißchen Ruinenromantik auf Bild bannen, dann geht es weiter zum Jugendpark. Wir finden einen perfekten Platz: Schatten von allen Seiten, zwei Bäume im richtigen Abstand, um die Hängematte zu befestigen, eine alte Feuerstelle mit dicken Steinen, direkt davor ein Baumstamm als perfekte Sitzgelegenheit, feiner Sand … Wir räumen flugs ein bißchen von dem Müll zusammen, den unsere Vorgänger dagelassen haben (ja, wir nehmen ihn sogar mit – den am Weg liegenden Müllbeuteln nach zu urteilen eine eher uncoole Angewohnheit), dann wird es richtig gemütlich. Es sind kaum andere Leute da, wir haben unsere Ruhe.

Den Grill anwerfen, in der Hängematte schaukelnd in den Himmel schauen, ein bißchen herumalbern, grillen, essen und den aufkommenden Wind genießen, der den Pappeln Brandungsgeräusche entlockt …

Am Abend wird es dunkel, drüben rumpelt es schon wieder, von Deutz her schiebt sich eine dunkelgraue Wolkenwand heran, es tröpfelt. Wir können noch in Ruhe aufessen, dann packen wir zusammen. Schade um das abendliche Feuer, das uns entgeht – wir hätten aber ohnehin weit laufen müssen, um genug Holz zu finden, der Strand ist wie leergefegt von den nächtlichen Parties der letzten Tage, so scheint es.

Daheim ruhen wir uns ein bißchen aus von der anstrengenden Chillerei, duschen den Schweiß ab, dann lese ich zur guten Nacht ein weiteres Kapitel vor und ende, als die Gemeinschaft des Ringes unter den Hängen des Caradhras anlangt. Schnee dräut. Noch ein Kuß, dann kuschelt sie sich ein. Morgen ist unser letzter Ferientag zusammen.

Kaffee

Tag 14

„Sag, wolltest du nicht deinen Wecker auf acht Uhr stellen?“ fragt die Kleine um viertel vor neun. Wie soll sie auch wissen, daß ich den auf neun gestellt habe … „Ich darf noch 16 Minuten schlafen“, sage ich, stehe auf und mache Kaffee.

Es ist unser letzter gemeinsamer Ferientag. Daß wir nochmal klettern gehen, hatte sie sich gewünscht. Das machen wir dann auch und verbringen drei schweißtreibende Nachmittagsstunden in der gut aufgeheizten Boulderhalle in Mülheim. Wir haben Spaß, aber sie ist ein bißchen betrübt, weil man ihr im überhängenden Dach die tiefen Griffe weggenommen hat – die Routen werden halt ständig geändert. Stattdessen versuchen wir uns heute an langen Quergängen, teils freihändig, teils zu knifflig, zumal für sie mit ihren kurzen Armen und Beinen. Manches aber klappt gut, doch es ist wieder sehr anstrengend und als mein Handtuch naßgeschwitzt ist, mahne ich zum Aufbruch. Ich hab’ schon Blasen an den Zehenspitzen …

Ein letztes Ferieneis, dann geht es heimwärts, alles zusammenpacken, was sie für die nächsten vier Wochen brauchen könnte. Reiterhof, Oma, Mama – ihr wird bestimmt nicht langweilig, und wir hatten zwei Wochen Spaß.

Am Montag werde ich wieder im Büro sitzen und mich fragen, was ich da eigentlich mache …

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