Restlichtverstärker

restlicht

Zwei Jahrzehnte lang gegen Verluste angekämpft, eines in Schräglage verschwendet, zwei im Familiendienst, ausgemustert. Ein halbes Jahrhundert später hat der Mohr seine Arbeit getan. Er kann gehen.

Halt! Noch gilt es, die Restlebensleistung der Ausbildung der Kinder zu widmen. Die Reste bleiben liegen wie das Undefinierbare in dem Müllsack, der beim Umzug immer als letztes mitgenommen wird. Keine Ahnung, in welchen Karton das gehört. Zu abgenutzt für’s Wohnzimmer, nicht frisch genug für’s Schlafzimmer. Nein, nicht in die Küche – es gibt so hübsche neue Geräte! Ist noch Platz im Keller?

Im Keller ist es kühl und ein bißchen modrig. Nur eine Spur Licht fällt durch den Schacht. Die Reste müssen verwertet werden. Mehr gibt es nicht zum Leben. Das muß jetzt was wert sein. Also alles in die hohle Hand und abwägen …

Das ist gute Ware, wie ein gut eingelaufener Lederstiefel oder das gute Werkzeug vom Großvater, das niemand mehr so schmieden kann. Gute Ware. Nicht schön, aber zäh. Trägt sich nicht selbst zu Markte, bringt da auch nichts ein. Kann man nur noch selbst benutzen.

Das bleibt im letzten Licht: ein guter Hammer. Kann sich nur noch selbst ein Häuschen bauen. Ein paar Löcher in die Wand schlagen, für mehr Licht. Dann liegenbleiben, den Spaziergängern zur Anschauung: „Sieh her! So war ich.“

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