Unsichtbar

Kind vor Zufallhütte

Da sind lachende Menschen auf dem Bild. In bunter Sportkleidung. Gleich werden sie an den Start gehen und mit Tausenden anderen loslaufen. Eine Frau präsentiert stolz ihre Geschenke und läßt sich dafür beglückwünschen. Sie sitzt auf einem Felsen in der Bergsonne und strahlt mit ihr um die Wette. Glücklich zeigt sie teure Konzertkarten und schwärmt davon, wie schön es war. Ein Kind tapst im Schneeanzug auf eine Berghütte zu. Das Kind rennt mit anderen Kindern um die Wette. Da ist der Kaffee, den die Frau morgens ans Bett gebracht bekam, auf dem Milchschaum ist noch das Zimtherz zu sehen. Das umkrautete kleine Haus, das immer wieder freigelegt werden muß. Eine Birke liegt im Schnee, fein säuberlich in Stücke gesägt. Eine Mutter und ihre Töchter, Familienleben, Jahr um Jahr.

Den hinter der Kamera sieht man nicht, den, der die Geschenke gemacht hat und den Kaffee ans Bett brachte, der ihr am Streckenrand zujubelte oder sogar neben ihr herlief, den, der mit ihr die Berge durchwanderte und zur Musik tanzte, den, der drei Tage lang mit Kettensäge und Axt den Baum in Scheite zerlegte, bis sein Rücken schmerzte, der gegen wucherndes Unkraut kämpfte, damit das kleine Haus sichtbar bliebe. Den Vater des Kindes.

Leben wie bunte Steine aneinandergereiht. Nimmt man einen von der Schnur herunter, rutschen die anderen einfach nach. Es gibt keine Lücke und sie hat auch keinen Namen.

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