Löcher im Bauch – wenn Kinder fragen

Sonne
„Wer hat eigentlich alles erfunden?“ – Mit diesem Spruch inspirierte mich meine fünfjährige Tochter zu der Geschichte von Anita, der Trollkönigin, von der ich dann prompt ein schmeichelhaftes Portrait anfertigen mußte. Eine süße Geschichte, die aber nicht verhehlen kann, daß die alltäglichen Fragen der Kinder oft viel härtere Nüsse sind.

Dasselbe Kind hatte ein paar Wochen vorher wissen wollen: „Was ist Erdöl?“ Gut. Ehrensache, daß man da nicht sofort zum Computer rennt und die Suchmaschine anwirft – als Lexika-gestähltes Kind der Prä-Internet-Ära sollte man wenigstens ein paar rudimentäre Kenntnisse zu bieten haben. Also erzählte ich die Sache mit den Mikroorganismen, aus denen dann – simsalabim! – ein zäher, schwarzer Brei wurde, der uns als Rohstoff für alle möglichen Schweinereien dient. Nochmal davongekommen! Und später heimlich nachschauen, ob das alles auch stimmt …

„Was wird alles aus Erdöl gema-hacht? und …“ „Und?“ „… und wie-hie?“ Au Backe. Also tiefer einsteigen in Destillation und Cracking, Polymerisation und Kohlenstoffchemie. Gut, daß Chemie eines meiner Lieblingsfächer gewesen war, damals, Leipzigeinundleipzig, aber ob das alles so richtig war, was ich da erzählte? Egal, die blonde Maus war glücklich und ich ein guter Vater und jetzt hoffentlich entlassen, doch dann sah ich das Grinsen in ihren Mundwinkeln und ich wußte: Sie legte sich die nächste Frage zurecht. Ohne mich. „So, das reicht jetzt! Umziehen, wir müssen los!“

Einer ihrer Brüder, eigentlich ein heller Kopf von 12 Jahren, verstieg sich letzte Woche zu der Frage „Wie wird eigentlich Erdöl gemacht?“, doch dann fiel es ihm wieder ein, er faßte sich selbst an die Stirn, winkte ab und sagte: „Ist schon gut, vergiß es …“ Glück gehabt. Er hatte keine Anschlußfrage. Dagegen kommt seine Schwester, nun sieben, immer wieder auf die Frage zurück, warum die Tage länger oder kürzer sind und jetzt denkt sie intensiv über die Stellung der Erdachse und die Umlaufbahn der Erde um die Sonne nach. Geschieht ihr recht!

Richtig interessant wurde es vor einigen Tagen in der Küche: „Papa-ha? Warum ist alles eine große Kugel?“ Was? Sie dachte darüber nach, warum Sterne und Planeten kugelförmig sind, ja, sogar an Atome dachte sie, seit ihr jemand gesteckt hat, daß es die gibt. Puh, also unternahm ich mit meinen kümmerlichen Physik-Kenntnissen einen Ausflug ins Reich der starken und schwachen Kräfte und dann parlierten wir für ein lockeres Stündchen über Schwerkraft. Ich hoffe, sie wird einmal die Weltformel finden, denn sonst weiß ich nicht, wofür ich mir das angetan habe – sie wird sich ja daran erinnern und sicher feststellen, daß ich von Physik keinen Schimmer hatte …

Den Vogel schoß jedoch mein Erstgeborener ab: Im Alter von drei Jahren saßen wir am Frühstückstisch, die Sonne schien zum Fenster herein und er schaute fasziniert auf die Lichtfinger, die durch den Raum stachen. Dann stand er in seinem Kinderstuhl auf, zog sich mit den Nutellafingern am Fensterbrett hoch, zeigte hinaus und fragte: „Papa, wann geht die Sonne kaputt?“

Es wurde ein sehr spannender Vormittag mit vielen Anschlußfragen und einem qualmenden Vatergehirn, das sich immer neue Vereinfachungen, Bilder und Vergleiche ausdenken mußte. Zwei Stunden lang. Die hätte ich natürlich mit Staubsaugen und Putzen verbringen können. Am Schluß hatte ich jedoch das Gefühl: Da sitzt ein glücklicher Junge und in der Nacht würde er selig vom Russell-Hertzsprung-Diagramm träumen …

Die besten Fragen

Was fragen eure Kinder? Womit löchern sie euch, so lange, bis ihr entnervt aufgebt und irgendein Märchen erzählt? Welche Fragen machen euch am meisten Freude? Erzählt es mir, schreibt es in die Kommentare! Ich würde mich freuen, wenn sich hier mit der Zeit ein ansehnlicher Fragenkatalog ansammeln würde! Danke schon mal für die Mühe!
(Ja, Fragen von Nichten, Neffen und Patenkindern sind ebenso gern gesehen. Und selbstverständlich auch die eigenen Fragen – wer sich also erinnert …)

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3 Antworten auf Löcher im Bauch – wenn Kinder fragen

  1. Kyr sagt:

    Die Frage ist vielleicht nicht ganz der Mega-Knaller, aber mit der dazugehörigen Geschichte eventuell doch.

    Kind: “In meinem Zimmer spukt’s!”
    Ich (in wohlwollendem väterlichen Ton): “Was habe ich dir über Gespenster erzählt?”
    Kind: “Die gibt’s nicht.”
    Ich: “Richtig. Und jetzt wieder ab ins Bett.”
    Kind: “Ich weiß, dass es keine Gespenster gibt, aber in meinem Zimmer spukt’s trotzdem.”
    Ich: “Kind, manchmal muss man sich seinen Ängsten einfach stellen.”
    (Kind nimmt Pseudo-Kung-Fu-Haltung ein)
    Kind: “Etwas so….?”

  2. ickemich sagt:

    Moin!

    Ich mache es kurz und werfe eine Frage in den virtuellen Raum, deren endgültige Beantwortung ich meiner mittlerweile pubertierenden Tochter seit fast schon zehn Jahren schuldig bleiben musste.
    Im zarten Kindergartenalter stellte sie so etwas wie die ultimative Frage.

    “Paaaappaaa, warum gibt es Wahrheit?”

    Nein, nicht ‘was ist das?’ oder ‘warum darf man nicht lügen?’ sondern schlicht und ergreifend warum es so etwas überhaupt gibt. Macht da mal was draus!

    Tschja, der Sohn kam dann ein paar Jahre später zu ähnlichem Thema um die Ecke, allerdings war seine Frage schon eher sehr wohl durchdacht, nicht ganz verkehrt als Grundschüler. Und seine Frage konnte ich auch locker bejahend beantworten. Jungs eben, wesentlich unkomplizierter.

    Ach ja, seine (wohl eher rhetorische) Frage war:” Papa, hat denn nicht jeder seine eigene Wahrheit?”

    Verblüffend!

  3. Wenn er alt genug ist, wird er sich sicher über Bücher von Paul Watzlawick und Philip K. Dick freuen. :)

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