7,1 km Dämonenjagd

Ausdauersport hat noch kein einziges Problem gelöst. Gut, man wird etwas gesünder davon, aber sonst? Okay, man nimmt ab. Also, abgesehen von Gefäßerkrankungen und Übergewicht: Welches Problem hätte Ausdauersport je gelöst? Naja, ich habe seitdem keine Rückenschmerzen mehr. Geschenkt. Also, abgesehen von Gefäßerkrankungen, Übergewicht und Rückenschmerzen: Welches Problem hätte Ausdauersport je gelöst? … Na? … Gut, man kann sich nachts wieder auf die Straße trauen – wer faßt schon gern schwitzende Läufer an? Aber davon abgesehen: na? NA?

Ich hasse diese Tage. Wildes Durcheinander, eine E-Mail jagt die andere, es ist wieder besonders stickig, die Hütte wackelt, zu dem Heulkamin gesellt sich neuerdings ein bohrend rasselnder Kettentrieb (meine Theorie), ständig geht das Telefon und dann werde ich auch noch dreist angegangen von jemandem, der nicht weiß, daß er dem Dunning-Kruger-Effekt erlegen ist … Es gibt so Sauger, die merken einfach nicht, wenn sie mit einem Fachmann sprechen. Dann wird’s echt peinlich. Diese Melange schmecke man ab mit allgemeinem Zweifel, vier Stunden Schlaf, Appetitlosigkeit und der Frage, wo es in dem Kuddelmuddel eine echte Perspektive gibt – da raten Laien gern zu etwas Sport oder einem Stündchen Holzhacken. Leider hängt meine Axt in Dresden im Holzschuppen und die Schädel, die ich hier spalten wollte, haben sich schon verkrochen, als ich in die Dämmerung renne.

Was laufen wir denn heute? Keine Ahnung. Vor lauter Grübeln stehe ich erstmal minutenlang unschlüssig vor dem Haus (hatte ich auch noch nicht) und denke statt übers Laufen über den Kauf einer neuen Hose nach … Komm, erstmal linksrum, locker joggen, Musik aufdrehen, VETO füllen meinen Kopf mit Baßläufen und frickeligen Elektrosounds – in Filmbildern wäre das sättigungsreduzierte Neue Dänische Bräune – und ich suche einen schnellen, elastischen Schritt (nachdem ich auf den Fotos vom Köln-Marathon bei mir eine krasse Fersenlandung gesehen habe …). Ein paar Flüche später ist mir alles egal: Puls, Schritt, Kollegen, Job, der ganze Mist. Alles dahin, wo keine Sonne scheint! Und jetzt HINFORT, ich will mich hier ENTSPANNEN! … Klappt nicht.

Trick: Jedesmal, wenn sich ein ungelöstes Problem in meine Gedanken drängt, lege ich einen Zwischensprint ein, hundert Meter, hundertfünzig, so lange es eben dauert. Dann japse ich und habe andere Probleme. Psychotherapeutisches Fahrtspiel quasi – mit der Methode werde ich reich! Fünf Stück brauche ich, dann habe ich die Faxen dicke. Ich gehe ein paar Schritte und komme an dem alten Gestüt vorbei zu der ollen Aschenbahn, auf der ich mir letzten Oktober den linken biceps femoris verletzt haben muß (der übrigens heute abend kein einziges Mal muckt, das nur für die Akten). Komm, du alte Hippe, dir renne ich heute mal eine Furche in die Schlacke! Das. Und dann nach Hause traben.

7,1 km · ±9 hm · 44:44 · Pace: 6:19 · øHF 147 · HFmax 173 · 616 kcal

Auf dem stockdunklen 309-Meter-Oval lege ich ungefähr 320 Meter zurück. Das liest sich dann so:

0,32 km · 1:15,8 · Pace: 3:54

Auf der 400-Meter-Tartanbahn wäre das eine 1:35 gewesen. Kann man mal machen. Löst aber auch kein einziges Problem – die sind alle wieder da, als das Japsen aufhört. Später: Die Waage zeigt ’ne Zahl, die ich seit 13 Jahren nicht mehr gesehen habe, das wird auch noch richtig teuer, aber ich entscheide mich dagegen, mich darüber zu ärgern. Für irgendwas muß die ganze Schinderei ja gut sein.

fahrtspiel_20140918

Richtiges Fahrtspiel sieht bestimmt anders aus – ich hatte bloß kein besseres Wort für den Klump … Klump vielleicht

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