13,4 km ANGREIF!!!

Intervalle 12.9.2014

Herzfrequenz (weiß) und Tempo (orange) auf 18 Runden à 400 Meter …

Nach Oberfeldwebel G. müßte ich die 400er also in 1:52 min. laufen? Sagt zumindest ein Mitschreiber in meinem liebsten Laufforum. Kratzt mich das als alten Kriegsdienstblödfinder? … Natürlich. Ich mag zwar keine Schützengrabenrhetorik, aber ich laß mich ungern Weichei nennen. Das alte Marty-McFly-Problem … »Feigling!« »Hast du mich gerade Feigling genannt?« Hat er. Dann also …

Soll: 9x 400 m à 1:52 min. + 9x 400 m Gehen/Traben

Neun, richtig, eine mehr als in der Vorwoche. Wenn schon, dann soll es sich auch lohnen.

Ich schlafe diese Nacht extrem wenig – zuviel Surferei im Netz, zuviel Musik, zuviel lustiges Youtube, unglaublich … Das ergibt ja schon mal extreme Dünnhäutigkeit und so eine gewisse bleierne Grundschwäche. Dazu ein extrem unattraktives Kantinenessen und ich gehe fast genauso leicht wieder raus, wie ich den Speisesaal betreten habe. Egal, ich fühle mich so geisterhaft, da ist eh alles egal. Nach Feierabend denke ich sogar daran, die Einheit zu schmeißen – ich bin einfach zu müde. Naja, ich kann ja mal hinfahren und schauen, wie es dann ist. Machen wir.

Die Elben – die Leichtathletikjugend eines hiesigen Sportvereins – üben Weitsprung, zwei Sportabzeichenjünger liegen in den letzten, verzweifelten Zügen ihres 3000-Meter-Versuches, drei große Jungs machen Steigerungsläufe, da ist noch genug Platz für mich und mein kleines Aufwärmprogramm:

Einlaufen: 2,1 km · 13:07 · Pace: 6:20 · øHF 136 · HFmax 159 · 176 kcal
Lauf-ABC: 0,8 km · øHF 136 · HFmax 150 · 99 kcal

Ich schiele zum Himmel: Da wird doch nicht so ein Mini-Gewitter …? Nein, es löst sich auf, aber es bleibt bedeckt und windig, eigentlich super. Mach hinne! Ich will nach Hause! Da Bahnrunden mit Pace-Anzeige vom GPS ein meßtechnischer Alptraum sind, laufe ich heute nach Zeit – habe ich noch nie gemacht, aber mit ein wenig Rechnerei komme ich auf 28 Sekunden pro 100-Meter-Stück, das sollte ich irgendwie eingepegelt kriegen. Hätte ich bloß den Schuhsensor zum Kalibrieren mitgenommen … Beim nächsten Mal.

*vorspul*

Und wieder ein Grinsen im Gesicht! Alles funktioniert! Nach dem sechsten Intervall meldet sich der fiese Muskel kurz, läßt sich aber durch saubere Lauftechnik zum Schweigen bringen. Das Schnaufen und Ächzen ist nicht mehr feierlich, aber ich kriege alle Luft in die Lungen, die ich brauche, da brennt nichts, der Kopf platzt nicht, ich bin hochzufrieden und der innere Jammerlappen auch – der hält nämlich brav das Maul und läßt sich nicht blicken.

7,4 km · 45:57 · Pace: 6:14 · øHF 151 · HFmax 175 · øSF 162 · SFmax 254 · 658 kcal

Auf die Paces verzichte ich jetzt mal, weil sie aufgrund der Meßtoleranzen sowieso kaum zu gebrauchen sind. Sie liegen aber zwischen 4:23 und 4:42 min./km, was schlicht und einfach bedeutet, daß ich im Erwachsenenalter noch keine schnellere 400-Meter-Runde gelaufen bin als heute! Nämlich die letzte, mit 1:48,2 – die rahme ich mir jetzt mal ein.

Die Runden im Einzelnen:

1:54,5 – da hakt es noch mit der Einteilung …
1:49,1 – ups …
1:54,5 – hakt … hakt … hakt …
1:50,2 – Die Glocke wird …
1:52,1 – … wird …
1:51,8 – … Gesellen! …
1:51,1 – … frischauf!
1:53,0 – Orrr …
1:48,2 – YESSSSSSS!!!!

Auf der letzten Runde habe ich einen neuen Laufkameraden vor mir, einen großen, muskulösen Typen, der immer wieder schnelle 200 Meter macht. Als ich auf der Zielgeraden versuche, an ihm vorbeizulaufen, zieht er gerade zu einem weiteren Sprint an. Das relativiert mein schönes Tempo ganz ordentlich, aber ich bin nicht unglücklich: er ist sicher 20 Jahre jünger als ich und was soll er sonst machen mit der ganzen Power?

Am Rand nehme ich erstmal eine Salztablette und trinke ordentlich. Dann wird gründlich gedehnt. Dabei beobachte ich einen schmalen Jungen und seine leichtgewichtige Freundin, beide um die 16, schätze ich mal, und er erklärt ihr was zum Laufen, ein wenig unsicher, aber sehr engagiert. Ich denke mal, sie haben sich zu einem Sportabend verabredet … süß! Kurz überlege ich, ob ich ihm was zu seiner nichtvorhandenen Armarbeit sagen soll, verpasse dem ollen Besserwisser in mir aber schnell einen Maulkorb. Das kann der Junge jetzt gerade gar nicht gebrauchen: Belehrungen von einem alten Sack, der gerade mal unter zwei Minuten um den Platz kommt. Unser Floh auf Freiersfüßen schafft das gleiche übrigens in 79 Sekunden! Nicht auszudenken, was da mit ordentlicher Armarbeit drin wäre …

Auslaufen ist ein Traum heute: leicht, locker, die Beine sind luftig, nichts bremst, ich rolle gemütlich vor mich hin und denke sofort an Mittwoch, weil im Hinterkopf schon wieder der Grinser lauert. Soll er. Wir können Freunde werden, der Grinser und ich.

3,1 km · 19:53 · Pace: 6:30 · øHF 147 · HFmax 159 · 281 kcal

Mit schönem Gruß in den Schützengraben!

P.S.: Ich laufe ja nicht um irgendwelcher sportlicher Leistungen willen – das kann sich ein übergewichtiger Späteinsteiger gleich mal ganz abschminken – sondern, um nicht alt und fett zu werden. Alt reicht. Und meine Frau soll bei all der Mühe, die sie sich mit dem Sport macht, nicht eine unattraktive Amöbe an ihrer Seite ertragen müssen. Deshalb muß ich aber nicht gleich Trainingspläne bei Leuten kaufen, die finden, daß früher alles besser war und die in ihrem Onlineshop zweifelhafte Wundermittelchen von umstrittenen Wunderheilern verticken. Nicht über das Postscriptum wundern: Es gibt Zehntausende, die da einkaufen und toll finden, was der alte Mann macht. Irgendwie kann man jetzt drauf kommen, daß ich nicht dazugehöre …

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2 Antworten auf 13,4 km ANGREIF!!!

  1. Michael sagt:

    Eines interessiert mich. Ich finde es ja gut, was du machst. Sehr gut. Klar, denn ich laufe ja auch jede Woche ca. 40-50 km. Aber irgendwann, spekuliere ich mal einfach, bist du vielleicht mit obigem Aspekt des Themas irgendwie durch. Mit den Zahlen, Diagrammen, Läufen, Zeiten. Mit dem Steigerungsehrgeiz, mit dem Besserwerden, mit dem ganzen Quantified Selve Ding, diesem “inneren sozialen Netzwerk”.
    Und dann bleibt das stehen, worum es ja eigentlich geht. Das Laufen. Meine Perspektive zu diesen “Laufforen” ist ziemlich distanziert. Manchmal habe ich das Gefühl, da versuchen sich Menschen durch kollektiven Leistungsdruck zu entspannen. Laufen ist “gesund”. Also: Schneller, besser, höher, weiter, hier noch eine Messung, dort noch eine Zehntel …
    … aber geht es darum? Mir persönlich nicht. Weil dieser Aspekt ist ziemlich endlich. Was mache ich, wenn die Zeiten irgendwann nicht mehr besser werden? Wenn ich alles getrackt und durchdacht habe? Wenn ich jede Runde, Extraeinheit und Zusatztraining absolviert habe. Wenn ich genau weiß, wer vor mir, wer hinter mir läuft. Wenn ich alles erfasst, geteilt, gepostet habe?
    Dann laufe ich einfach weiter. Dann schmeiß ich die Uhr weg und den Trainingsplan. Dann laufe ich einfach ohne meine Zeiten zu kennen, ohne die Runden zu zählen. Die Bäume und Häuser ziehen an mir vorbei, der Geist wird ruhig. Ich bin bei mir. Ich brauche nichts planen und erreichen. Kein Ziel, kein Leistungsdruck. Einfach nur: Laufen. Und weiter laufen. Aber das muss man nicht so sehen, ich weiß. Ist nur so ein Gedanke von mir.

  2. Nur so ein Gedanke, aber kein schlechter.

    Dieses Einfach-nur-so-Laufen – ich hörte davon! Um ehrlich zu sein: ich mache das sogar gelegentlich selber. Aber ich bin Anfänger, immer noch, ich muß langsam aufbauen, ich will die Kontrolle behalten, genug tun, um eine Verbesserung zu erleben, aber nicht zuviel, weil ich nicht bestraft werden möchte dafür, daß ich was für die Gesundheit tue. Und natürlich will ich mich messen, hauptsächlich mit mir selber, denn im Vergleich mit anderen bin ich das lustige hintere Ende des Feldes und das ist auch nicht schlimm. Mich selber aber kann ich mit kleinen Verbesserungen ködern: „Siehst du? Es wirkt! Gut gemacht! Streng dich noch ein bißchen an, dann kannst du noch etwas schneller werden. Und etwas schlanker …“

    2015 will ich meinen ersten Marathon laufen. Da ich nicht zu den von der Natur Begünstigten gehöre (dauernd raten mir erfahrene Läufer ab, es zu versuchen), wird das ein gut geplantes Unternehmen werden. Planen, laufen, messen, analysieren … Bloß keine grundlose Selbstüberschätzung!

    Auf Dauer möchte ich mir diesen Streß jedoch nicht antun, das sehe ich ähnlich wie du. Ich habe bereits Spaß gefunden an entspannten Landschaftsläufen und das wird es sein, was ich in Zukunft tun möchte, wenn ich laufe: meine Umgebung erkunden, gerne auch die Stadt, laufen, wo andere nicht mal gehen, sondern mit der Seilbahn fahren, in Etappen durchs Land laufen, bei jedem Wetter, den langsamen Perspektivwechsel suchen – der ist übrigens eine wirklich beeindruckende Erfahrung, die ich vom Radfahren kenne, wo man in Stunden schweigenden Rollens und Kletterns das Land förmlich berührt und jede seiner Falten kennenlernt. Das ist fast so gut wie Sex, dauert aber zum Glück viel, viel länger! (Und danach hat man eh erstmal keinen …)

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