Von Ochs und Bäuerin

Was für ein Gespann! Mit Schwung ackert vorn die adrette Landwirtin unbeirrt durch den schummrig beleuchteten Abend – just auf jener geschichtsträchtigen Runde von letzter Woche Mittwoch – während der Ochs hinterdrein ächzt, anstatt zu ziehen, stets befürchtend, es könne zu schnell sein, besorgt, das Wortkarge könne sein gutes Verhältnis zur Landwirtin trüben, weil die doch so gern quatscht, während sie Furchen zieht. Aber sie liebt ihren Ochs immer noch und der ist gar nicht soo viel zu schnell, ein paar Sekündchen nur dem selbstgesteckten Ziel voraus, neune, um genau zu sein, und 16 besser als in der der Vorwoche, was eine besser ist als der Zuwachs, den er sich wochenweise auf den Ochsenplan geschrieben hat. Alles im Lot und die Grenze ist noch immer nicht erreicht. Guter Lauf, wenngleich das Tempo von gestern sich noch ein bißchen bemerkbar macht.

Meine Pace-Staffeln, das muß ich hier nochmal betonen, sind keine strikten Vorgaben zur Beschleunigung, sondern dienen bloß als Landmarken und Grenzsteine. Wenn ich sie treffe und es geht noch, wird’s in der Woche drauf schneller. Nächste Woche sollte ich die Grenze dessen erreichen, was ich derzeit leisten kann. Dann ist das Jahr auch irgendwann herum und ich kann daran gehen, diese Geschwindigeiten auszubauen und länger durchzuhalten.

Vorher, im Büro, kann ich kaum an etwas anderes denken, aber was soll man tun, wenn man nicht wegkann? Zum Beispiel Laufkalender studieren. Verrückt. Stellt euch vor, es wird wieder einen Königsforst-Marathon geben! Am 16. März. Das ist für mich natürlich viel zu früh, den werde ich sicher nicht mitlaufen, aber vielleicht den halben? Nur so zum Spaß? Ich kenne da jeden Stein, da hab’ ich Nani kämpfen sehen, da bin ich vier 20er gelaufen. Wenn ich es nicht ganz falsch anstelle, komm’ ich da mit irgendwas um zwo Stunden und 20 raus … »Das mußt du ja nicht heute entscheiden«, sagt Nani und recht hat sie. Aber nett wär’s schon, so im Wald, wenn der Frühling vor der Tür steht.

Zuhause erkunde ich 20 Minuten lang meinen Rumpf. Was kann denn der? Nicht viel. Situps, ganz viele, Liegestütz, echte, schon weniger, die Abduktoren sind ganz nett, der Rücken nicht ganz so schwach wie befürchtet. Ans Eingemachte geht es beim Bridging, das ist ganz beschissen, genauso wie beim Seitstütz, das ist ja zum Heulen erbärmlich! An die Ausbaustufen traue ich mich gar nicht mehr heran. Zum Glück ist Nani dann fertig und wir können los, auf Ochsentour und immer eilt sie voran – »Ich gehe bloß deine Pace …« Morgen versuchen wir das einfach nochmal.

Beim Essen schaue ich jetzt genauer hin. Morgens keine belegten Brötchen, dafür kräftiges Brot mit was Magerem, zu Mittag einen Teller Salat, sonst nichts, kein Brötchen, in den Kaffee bloß ein Stück Zucker, am Nachmittag eine Banane gegen den Heißhunger, zuhause Gemüsesaft. Nach dem Laufen nochmal Salat, Romana mit Radicchio, Frühlingszwiebeln, ausnahmsweise mal keinen Knoblauch, weil der im leeren Bauch immer zu Explosionen führt, etwas Bleichsellerie, Kirschtomaten, Mozzarella, viel Petersilie, dazu ein Dressing aus Senf, Balsamico und Olivenöl mit ordentlich Pfeffer und Chilipulver, und obendrauf gerösteten Sesam, nicht nur wegen der Proteine und dem Extraschuß Eisen, es duftet lecker und macht die Sache interessanter zu kauen. »Stück Brot dabei?« Na gut, aber nur ein kleines. Dazu ein Wasser, mal keinen Yoghurtshake.

Irgendwann verschwindet auch das Aufgekratzte, das mich unter der Dusche befällt, wenn es mir erst heiß, dann eiskalt den Rücken und alles andere hinunterläuft. Ich hab’s nicht so mit Klerikern, aber was der olle Kneipp da gepredigt hat, das kann man schon mal nachbeten. Man ist so wach danach.

8,3 km zügiges Pflügen

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