19,9 km Hundepädagogik

Damit da gar keine Irrtümer mehr entstehen, gebe ich hiermit kund und zu wissen: Laufen macht mir Spaß. Erstes – so sagt man doch – achievement freigeschaltet.

Die gestrige Einheit hat sich so gut angefühlt mit all dem Gehüpfe und Gerenne, danach war alles so beweglich und beschwerdefrei – »He!« brüllt die rechte Wade. »Was ist mit mir?« Ach, halt den Rand, du kannst mir gar nix! – da wollte ich den langen und langsamen Lauf heute ein bißchen ausdehnen – zehn Kilometer wären mir da zu fad gewesen. Das ist auch ein Teil von dem Spaß: ein Ding nochmal machen, das schwierig war, das ich aber geschafft habe – diesmal nur noch ein bißchen besser.

Nebel, Kälte, Nieselregen, alles ruft mir zu: Verbringe diesen Tag auf der Couch! Aber nix, es ist raus, ich habe Sohn Nr. 2 bereits als Begleiter rekrutiert, die Strecke rausgesucht und ihm gezeigt, alles bereitgelegt, da gibt’s kein Kneifen mehr. Noch ein Stündchen das Frühstück verdauen (in früheren Jahren hatte ich da schon unerfreuliche »Wiedergänger« …), dann geht es los.

Mal abgesehen davon, daß der Junge prima als Packesel taugt, sein Rad hat auch ordentlich Licht und ich kann den ganzen Weg über mit ihm quatschen, in einer Tour, blablabla. An den Anstiegen lasse ich ihn mit Schwung vorfahren – der Königsforst legt mir heute 175 Höhenmeter in den Weg – doch dann kommen wir wieder zusammen und es wird weitergelabert. Da muß ich mir auch nicht beim Schnaufen zuhören, was ganz ungewohnt ist, weil da sonst bloß Elektrobeats dröhnen, wo ich nun jeden Schlurfer höre.

Ganz cool umschiffen wir führerlose Jack-Russell-Haufen und gewinnen den Staredown mit allzu siegessicheren Pinscherrudeln. Kurz vor Rath kriegen sich zwei Hundehalterfamilien in die Haare, was die treuen Gefährten prompt mit einem Infight quittieren – immerhin wird das Rudel gerade angegriffen! Folgerichtig fordern sich die hundepädagogisch Herausgeforderten gegenseitig lautstark auf, die Tiere unter Kontrolle zu bringen, was die Tölen noch mehr davon überzeugt, daß das Rudel in Gefahr sei. Es bleibt wahr: Die Hunde sind nicht das Problem. Von mir aus könnte man die Halter an die Leine nehmen. Irgendwie kommen wir da unbemerkt durch.

Bei Kilometer 12 brauche ich die vom Sohn tapfer transportierte Banane, bis dahin hatte es zwei kleine Traubenzückerchen gegeben – mache ich sonst gar nicht, aber man möchte ja mal wissen, ob es einen Unterschied macht. 1.827 verbrauchte Kalorien stehen am Ende auf der Uhr, da kann man mal was nachlegen.

Bei Kilometer 15 hatte ich letztens schon gar nicht mehr gewußt, wo sich die Haxen gerade befinden. Derartige Biofeedback-Probleme gab es heute nicht, es schiebt noch gut vorwärts. Etwas später gilt es eine Straße zu überqueren, ich muß ein paar Schritte gehen und merke sofort, wie die Muskeln hart werden wollen. Schnell weiter!

Ab da läuft die Maschine wohl nicht mehr mit Kohlenhydraten, nur noch mit Erfahrung und hoffentlich mit dem reichlich vorhandenen Fett. Der Kleine muntert mich auf: »Du schaffst das!« Natürlich schaffe ich das, aber ich grolle ein wenig, weil er mir, als wir kurz zuvor die Schmitzebud passierten, sowohl Eis als auch Pommes verweigerte, und die Frage, wie weit es noch sei, hatte er mir da auch nicht beantwortet. Gemeinheit!

Absolut genial, so einen freundlichen Sidekick dabei zu haben! Noch besser wäre ein Korb am Rad, in dem das Benötigte griffbereit liegt. Das wäre dann Luxus. Luxuriös fühle ich mich aber schon, als danach zur Belohnung auf die Waage steige und einen Gewichtsverlust zur Kenntnis nehme. Danke. Und die Pace war gleich mal um 17 Sekunden besser als beim ersten Mal – wird immer wieder gern genommen.

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