10 km Animalisches Potential

Mein Plan hätte nicht erlaubt, was die Holde heute vorhatte: »’Ne gemütliche 6:30 zum Regenerieren …« Das wäre viel zu schnell für mich. Schließlich willigt sie ein, zu laufen, was ich laufe. Das muß diese Liebe sein, von der alle sprechen … Erst zeigt sie mal, wie Mobilisieren geht. Ich hüpfe brav mit, nur um ihr dann zu verraten, daß ich das ja immer schon im Bad mache, wenn ich mich umziehe. Dann geht’s los. Ich spüre die Nachwirkungen der letzten beiden Tage, aber es wird funktionieren, ich weiß ja mittlerweile, wie ich es einteilen muß.

Daß jemand mit GPS-Uhr am Arm neben mir läuft, merke ich, als ich Ansagen kriege wie: »Das ist jetzt aber ’ne 6:20!« oder später »Du weißt schon, daß du jetzt ’ne 6:11 läufst?« Nee, weiß ich nicht, aber es hat auch nichts zu bedeuten, weil erst am Ende abgerechnet wird. Da interessieren mich die schnellen 200 Meter zwischendrin nicht. Die Mischung macht’s.

Schön, daß wir die ganze Zeit quatschen können, da komme ich gar nicht in die Verlegenheit, zu überreißen, nur um ihr zu imponieren. Läuft alles ganz locker. Kurz vor dem Mauspfad ein kleiner Seitenhieb: »Schau mal die schöne Fensterdeko!« – Insider wissen, was gemeint ist. Ja, aber … ich antworte souverän, ungebremst entströmt die Luft meinen Lungen und formt klar verständliche Worte – wenn das mal kein Trainingserfolg ist!

Daß die Holde auf Zeitklau aus ist und eigentlich nur ein bißchen regenerieren will, merke ich auch daran, daß sie mal eben abbiegen und eine Tartanbahn abchecken will – »Laß uns mal ein Ründchen laufen!« – doch ich mag meine mühsam abgesteckten Kilometer nicht neu abmessen. Später verliere ich sie an einen Sperrmüllhaufen, in dem zwei Paddel stecken, die MUSS sie haben! Also läuft sie die letzten anderthalb Kilometer mit zwei fast zwei Meter langen Paddeln in den Händen. »Ich weiß nicht, wer das ist«, rufe ich, »die läuft mir schon die ganze Zeit hinterher!« Immerhin sorgen die Paddel für saubere Armarbeit, immer schön seitwärts am Körper. Das sollte sie ab jetzt immer so machen!

Sauber. Am Ende geht alles nach Plan, auch ohne modisches Zeiteisen. Mein Gefühl trügt mich nicht: Ich bin nicht zu schnell gelaufen, die Pace ist nur vier Sekunden schneller als geplant (und 17 Sekunden besser als in der Vorwoche). Da kann man nicht meckern!

Abschließend zeigt Nani mir noch, wie in Laufgruppen gedehnt wird. Ich bin sehr froh, daß die das dort genauso machen wie ich. Die Demonstration des abschließenden Schulterschlusses samt gemeinsamem Motivationsruf verblüfft mich jedoch: Bisher hatte ich die Lauferei als völlig unkriegerisch erlebt. Da scheinen animalische Potentiale unter der Oberfläche zu schlummern …

In diesem Sinne:

Ka mate, ka mate! ka ora! ka ora!
Ka mate! ka mate! ka ora! ka ora!

Tēnei te tangata pūhuruhuru
Nāna nei i tiki mai whakawhiti te rā

Ā, upane! ka upane!
Ā, upane, ka upane, whiti te ra!

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