Berufsbilder der Neuen Zeit

Webkomiker

23. September, Stadtbibliothek Köln, geeks@cologne – Events rund um Technologie, Webkultur und den Nerdfaktor: Comicblogger digirev, Leowald und Flix tragen vor und stehen Comicjournalist Klaus Schikowski Rede und Antwort. Wie ist das so, wenn man täglich einen Strip machen möchte? Wie lange geht das gut? Wie toll finden das Frauen und Freunde? Wie geht das überhaupt? Und kann man davon leben? (Flix kann.)

Die Comicenthusiastin @Mrs_Bing twitterte den Programmhinweis über den Account der Stadtbibliothek (@stbibkoeln). Da wollte ich hin. SI-KARTUUN-Veteran Matze Langer wollte auch. Kostete auch nur fünf Ohren Eintritt und das Bier war umsonst, die Vorträge launig, lehrreich und lustig und der kleine Verkaufstisch von Herrn Kwimbi voll mit den Pretiosen des deutschen Bildwitzes.

Bildwitz? Moment. Als ich aufhörte, Comics zu sammeln, da nannte man das noch Cartoon. Heute geriert sich die Neunte Kunst scheint’s als Born feinerer Begrifflichkeiten. Ich lernte also: Es gibt den Einbildwitz, den Vierbildwitz, auch Biszuvierbildwitz genannt, und den flexiblen Mehrbildwitz. Überdies ist der Künstler froh, wenn es quadratisch zugeht, 30 mal 30 etwa, das nennt man dann ganz nostalgisch Vinylformat. Hach, damals …

Comicblogger

Comicblogger in der Stadtbibliothek Köln: Flix (roter Pullover), Leowald und digirev (rechts daneben), ganz links Moderator Klaus Schikowski

Flix („Heldentage“, „Schöne Töchter“) gehört zu den wenigen deutschen Comickünstlern, die von ihrer Arbeit leben können – ihn kennen die analogen Leser der FAZ und des Tagesspiegel schon seit Jahren. Vom Zustandekommen analoger Druckwerke wurden jedoch alle drei mehr oder weniger überrascht. digirev aka. Wolfgang Buechs („zuhause während der digitalen revolution“) beschrieb den Moment, als das Buch dann vorlag, so: „Da hätten sie das Internet meinetwegen abschalten können. Naja, für zwei, drei Stunden.“ Daß er wirklich nicht damit gerechnet hatte, kam ihn übrigens teuer zu stehen, denn sein Œuvre war schon rein technisch, von den Bildauflösungen her, gar nicht für den Druck geeignet. Das mußte alles neu koloriert und gelettert werden – die Schwarzweißfassung lag zum Glück noch analog vor und mußte nur neu gescannt werden.

Sehr unterhaltsamer Abend! Ich habe mir fest vorgenommen, von nun an viel mehr Webcomics zu lesen. Täglich. Am besten alle. Versprochen! Vielleicht.

P.S.: Leider habe ich keine Fotos von dem Abend, weil mein Handtelefon gar keine Kamera hat – wie rückständig … Darum freute ich mich zwar über den angepriesenen kostenlosen WLAN-Zugang, doch das Nokia zuckte nur mit seinen kleinen Schultern. Immerhin: Freibier! \o/

P.P.S.: Zwei Details muß ich unbedingt noch erwähnen: Alle drei Künstler gaben zu, in der ersten Zeit des Comicbloggens, als der Drang noch groß und der Anspruch, einen neuen Strip zu liefern, ein täglicher war, die Gier nach Statistik suchthafte Züge annahm. Man möchte halt doch wissen, wieviele Leser man hat. Das ließ beides mit der Zeit nach: der Ausstoß und damit die Eitelkeit. Und weil ich auch so ein tolles Statistiktool habe, weiß ich, daß Leowald mir einen Link auf zwarwald.de spendiert hat, der direkt hierherführt. Und ich habe nicht ein Wort über ihn verloren! Schande … Dabei hat er, und das ist das zweite Detail, das ich unbedingt erwähnen muß und das ebenfalls alle drei Künstler gemeinsam haben, irgendwann das Vatersein thematisiert. Das spricht mich als multiplen Vater und langjährigen Erziehungsurlauber nun besonders an und ich war sehr gerührt, zu sehen, wie toll sich Strips … sorry … wie toll sich der Bildwitz für die augenzwinkernde Dokumentation des windelbeschwerten Vaterdaseins eignet. Deshalb an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich beide Daumen hoch dafür!

P.P.P.S.: Wer jetzt klammheimlich denkt: Der Langer, ne, der hat doch auch’n Computer, ne, und der hat schon so lange keine Cartoons mehr gemacht, ne, und die waren doch so gut, ne, also, der könnte doch auch mal … Vergeßt es! Ich hab’s versucht.

P.P.P.P.S.: Babett Hartmann von der Stadtbibliothek hat mir freundlicherweise eines ihrer Fotos zur Verfügung gestellt, damit ihr euch die Künstler nicht malen müßt. Herzlichen Dank!

Links

Autogramm Flix

Ein schneller Meph – wäre interessant, zu wissen, was passierte, gäbe ich einen Tropfen Blut dazu …

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