Bundestag-O-Meter

AbgeordnetenbilanzDie ZEIT präsentiert online eine Reihe von Beiträgen unter der Überschrift „Abgeordnetenbilanz“: Was haben die Bundestagsabgeordneten in der ablaufenden Legislaturperiode eigentlich getan? Zahlen zu Reden, Wortbeiträgen, Anfragen und Antworten, Kalenderübersichten, die es auf Klick Aktivitätslisten zu einzelnen Monaten darstellen, mit Links zu den Dokumenten von z.B. Anfragen – da kann man dann mal nachlesen, was diese oder jener gefragt oder geschrieben hat.

Die interaktive Infografik kommt mit verschiedenen Darstellungen und Sortiermöglichkeiten daher. Es lohnt sich, eine Weile zu stöbern, um ein Gefühl für den Aufwand zu entwickeln, den die Abgeordneten da treiben – um so besser gelingt es, die Faulenzer und Schaumschläger zu identifizieren und von den emsigen Politikarbeitern zu unterscheiden.

Screenshot Abgeordnetenbilanz

Ergänzen kann man das Bild sehr schön mit einem Besuch bei abgeordnetenwatch.de – aber Achtung: Wer allergisch auf Politikerplatitüden und Textbausteine reagiert, sollte ausgeschlafen und ganz entspannt sein …

Screenshot abgeordnetenwatch.de

Wer danach immer noch nicht weiß, wen er wählen soll, checkt einfach mal den Wahl-O-Maten der Bundeszentrale für politische Bildung. Aber Achtung: Rechtsradikale sind sehr kreativ, wenn es darum geht, Programmauszüge passend zu Wählerfragen zu gestalten. Also nicht wundern, wenn gelegentlich eine braune Partei im Ergebnis auftaucht – Familienförderung z.B. ist auch bei Nazis populär, natürlich nur, solange sie sich auf arische Familien bezieht …

Screenshot Wahl-O-Mat

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3 Antworten auf Bundestag-O-Meter

  1. Michael sagt:

    Was ich sehr problematisch an solchen “Bilanzen” finde ist, dass hier Aktivität gemessen wird, nicht Substanz. Quantität, nicht Qualität. Dieser einseitige Fokus auf Aktionismus und “Tätigkeit” statt auf Substanz und Sinn ist bei vielen großen Konzernen und Behörden schon längst zu einem internen Arbeitscredo geworden. Wenn wir anfangen, unsere Politiker auf im öffentlichen Ranking danach zu sortieren, dann werden wir die Qualität, da bin ich mir sicher, reduzieren.

    Wer mehr macht muss auch irgendwie besser sein. Und wenn es nur eines ist, das ich in vielen Jahren Kontakt und Arbeit mit großen Institutionen und Konzernen gelernt habe, dann, dass dieser Satz ein kaum zu überbietender massiver Irrtum ist. Im Gegenteil. Meistens ist der hirnlose und ineffiziente Aktionismus in großen Systemen vorrangig gespeist durch Angst.

    Angst, nicht als “tätig” wahrgenommen zu werden. Angst davor, dass der Chef meint, man hätte wohl zu wenig zu tun. Angst davor, am Ende nicht sagen zu können: aber wenigstens habe ich mich echt eingesetzt. Dieser Aktionismus lähmt ja schon manche universitäter Fachgebiete, wo Aufstieg und Renomee einer akademischen Karriere mit der Anzahl der Fachpublikationen zusammen hängt. Mit der Anzahl, wohlgemerkt, nicht mit der Qualität.

    Im Zuge des Big Data Hypes verfallen wir mehr und mehr dem frühaufklärerischen Irrglauben von der exakten Vermessbarkeit des Sozialen. Tatsächlich kommt das “Stat” in Statistik ja sogar vom Wort Staat. Von der Idee, soziale Systeme durch quantifizierbare Kennzahlen bewerten und steuern zu können. Es ist faszinierend, dass je mehr die Naturwissenschaften sich mit Zufall und Unbestimmbarkeit befassen und sie als wichtige Beschreibungen der Lebenswirklichkeit entdecken, der öffentliche Diskurs dem Irrtum des Social Engineering – fast schon ein einem Malthus’schen Sinne – verfällt.

  2. Wichtige Kritik! Aus diesem Grund weise ich ja auch daraufhin, daß man sich über die Kalenderfunktion bis zu den einzelnen Inhalten durchklicken kann, um mal den Gegenstand der Arbeit kennenzulernen. Da kann ich dann qualitativ urteilen, ob mir eine Anfrage zur Datensicherheit unserer Kommunikation mehr bedeutet als zehn Anfragen zum Thema „umweltfreundliches Handeln der Bundestagsverwaltung“.

    Mit bundestag.de steht den Abgeordneten ein Portal zur Selbstdarstellung und Weiterleitung der Bürger auf ihre Webseiten zur Verfügung, das ihnen alle Möglichkeiten bietet, sich nach Gutdünken darzustellen. Daß aber zwischen Selbstbild und der tatsächlichen Diskussionsbereitschaft oft Lücken klaffen, beweisen Standardantworten auf abgeordnetenwatch.de, ganz abgelehnte Auskünfte dort (hier z.B. der Textbaustein von Peer Steinbrück: „Peer Steinbrück bedankt sich für Ihre Frage über abgeordnetenwatch.de. Mit dieser Antwort möchten wir Sie bitten, sich mit Ihrem Anliegen direkt an das Bundestagsbüro von Herrn Steinbrück zu wenden.“), die Abschaltung der Kommentarfunktion bei Facebook oder eifriges Blocken bei Twitter.

    In solchen Fällen ist eine quantitative Darstellung ein schönes Zubrot, weil sie das Bild effektiv abrundet. Und ich liebe interaktive Infografik!

  3. Michael sagt:

    Wo gibt’s denn hier den +1 Button?

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