Der Vogel ist tot! Es lebe die Pressefreiheit!

Twitter tot

Eins der key visuals der VÖZ-Kampagne zum Tag der Pressefreiheit: der tote Twittervogel

Was soll uns dieses Motiv sagen? Der Vogel ist tot. Der Vogel ist blau, also handelt es sich wohl um den Twittervogel. Hashtag ist #pressefreiheit. Die Meldung könnte also lauten: „Twitter ist tot. #pressefreiheit“

Ah, da muß ich noch ein bißchen selber denken.

Möglichkeit 1

„Twitter ist tot, die Pressefreiheit ist in Gefahr!“ Nun, wenn ich Pressefreiheit suche, dann nicht auf Twitter, das kann es also nicht sein. Bei Twitter gibt es nur Meinungsfreiheit – was die Presse macht, ist höchstens mal Gegenstand gelungener Witze.

Möglichkeit 2

„Twitter ist tot, die Pressefreiheit ist gerettet!“ Hm … Auf Twitter wird zwar viel gelabert, aber die Freiheit der Presse wird ja eher durch staatliche Regulierung, durch Einflußnahme der Wirtschaft oder Selbstzensur bedroht, mit Sicherheit jedoch nicht durch Twitter.

Möglichkeit 3

„Twitter muß sterben, denn nur, wenn Twitter tot ist, haben wir eine Chance, euch unsere Zeitungen zu verkaufen, unsere Auflage zu halten, die Besucherzahlen auf unseren Webseiten zu erhöhen und die Kohle von der Wirtschaft für die vielen schönen Anzeigen zu kassieren.“ Das wäre ehrlich und ich denke, genau darauf läuft es hinaus.

Aber, halt! ruft ihr jetzt, habt ihr Facebook und Google vergessen? Wir können uns immer noch dort austoben. Richtig, und so schlau ist der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) auch. Der hat nämlich eine Anzeigenkampagne in Auftrag gegeben, die sich genau mit diesen drei Bedrohungen ihrer Pfründe beschäftigt: Twitter, Facebook, Google – böse, böse und oberböse.

Die Klage ist nicht neu, Print kämpft ums Überleben, wissen wir. Es ist ein freier Markt, da sind kreative Ideen gefragt, wie guter Journalismus an die Leser gebracht werden kann – so jedenfalls nicht.

Entworfen hat diese kruden Kampagnenmotive – ausgerechnet zum heutigen „Tag der Pressefreiheit“ – Rudi Ornetsmüller von der Agentur Reichl und Partner. Ihm kann man bloß zurufen: „Thema verfehlt! Sechs, setzen! … Ach, halt, ein Punkt für schöne Grafik, also Fünf minus.“

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