Spielzeug für die Straße

Volvo Flywheel KERS

Schicker neuer Name für eine uralte Sache: „Flywheel KERS“ (kinetic energy recovery system)

Nahezu jeder technische Prozeß beschäftigt sich damit, Energie zu übertragen und zu speichern, ob ich nun einen Stein werfe, um einen Hasen zu erlegen, Fahrzeuge antreibe, Strom erzeuge und verteile, oder Raumfahrzeuge auf ihrer Bahn halte. Läßt man das Beispiel mit dem Hasen beiseite, haben alle diese Dinge mit einer der ältesten mechanischen Maschinen zu tun, die der Mensch benutzt: dem Schwungrad. In Spindeln macht es aus Wolle Wollfäden, als Töpferscheibe ermöglicht es die ökonomische Serienfertigung von Gefäßen, überbrückt als Generatorenantrieb Bedarfsspitzen in Stromnetzen und treibt Spielzeugautos an.

Das Schwungrad als generelles Maschinenelement zur Speicherung kinetischer Energie findet sich erstmals in den De diversibus artibus (Über verschiedene Künste) des Theophilus Presbyter (ca. 1070–1125), der es bei mehreren seiner Maschinen verwendete.
Im Mittelalter hatten hölzerne Schwungräder bereits Drehzahlen von rund 100/min und konnten die Rotation zum Teil über mehrere Minuten aufrechterhalten. Später dienten Schwungräder zum Ausgleichen des nicht konstanten Drehmoments bei Dampfmaschinen und den ersten Verbrennungsmotoren.

Quelle: Wikipedia

Apropos Autos: Neben der Anwendung in Traktoren beschäftigen sich die Automobilhersteller seit Jahrzehnten mit dem Schwungrad als Energiespeicher in Pkw-Antrieben. Sogar Sportwagenhersteller wie Porsche haben Versuche damit angestellt und erzielten beeindruckende Beschleunigungswerte, weil das Schwungrad das Trägheitsmoment eines Motors beim Hochdrehen eliminiert.

Dieser Tage versucht sich Volvo an der jahrtausendealten Technologie, mit dem Ziel, vor allem die Kraftspitzen im Stop-and-Go-Verkehr abzufangen und somit erhebliche Mengen Sprit im Stadtverkehr zu sparen: die Energie, die beim Bremsen anfällt, wird zum Antreiben des Schwungrades verwendet, beim Anfahren übernimmt vor allem das Schwungrad in den ersten Sekunden die Beschleunigungsarbeit. So werden die typischen Verbrauchsspitzen im Stadtverkehr vermieden – ganz nebenbei beschleunigt das Fahrzeug wesentlich schneller als ohne den Zusatzantrieb.

Die Nebenwirkungen des Schwungradantriebes, die gyroskopischen Effekte, die wir z.B. von Zweirädern kennen, versuchen die Ingenieure konstruktiv in den Griff zu kriegen: das Volvo-Schwungrad besteht nicht aus Stahl, sondern aus Carbon, es ist besonders klein und dreht in einer Vakuumtrommel bis zu 60.000 Umdrehungen schnell. Beeindruckend.

So einfach das zugrundeliegende Prinzip ist, die Bilder dieser Pressemeldung verraten schon, daß dieser Schwungradantrieb im Detail sehr komplex ausfällt und hohe Anforderungen stellt an Lagerungs- und Kupplungstechnik. Billig ist das nicht.

Gerade im Stadtverkehr empfiehlt sich daher, auf ein Fahrzeug umzusteigen, das als die effizienteste Maschine gilt, die Menschen je erdacht haben: das Fahrrad. Schwungräder gibt’s dort übrigens gleich zwei …

Ähnliche Beiträge

Abgelegt unter Technik und getaggt mit , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>