Schweig still! – vom Ewigen Kampf
gegen das tödliche Knacken

Salsa Las Cruces - Geräuschquellen
Es kommt der Tag, da hat der Jammer ein Ende, da ist der Wiederaufbau abgeschlossen, da geht es wieder auf die Straße. Vergessen ist das nervtötende Einstellen der Schaltung, überwunden der Moment, da ich mir sicher bin: so kann ich nicht auf die Piste! Es hat gerasselt, die Gänge paßten nicht, die Kette fiel runter, doch dann stimmt wieder alles. Aufatmen. Das Leben geht weiter.
Zwanzig Kilometer später rasende Kopfschmerzen. Nichts geht mehr. Sofort anhalten! Absteigen und das Rad in den Straßengraben werfen! Dann auf den Bus warten. Es ist einfach nicht zum Aushalten! Das ist kein Fahrrad, damit könnte man eine Geisterbahn beschallen! Jeder Tritt in die Pedale produziert eine Geräuschkulisse, die jede Entspannung ins Gegenteil verkehrt. Und hat man sich erstmal auf ein Geräusch konzentriert, kommen noch mehr dazu! Wie soll man da lange Strecken fahren? Das macht mich wahnsinnig!
Zusammenreißen! Mit etwas Ruhe und Geduld lassen sich die einzelnen Geräuschquellen finden und die Ursachen eliminieren. Das nervt, weil man ja gerade erst wieder alles zusammengebaut hat, aber bevor ich Streß beim Radfahren habe, greife ich lieber nochmal zur Werkzeugkiste …

SCHEIBENBREMSEN (mechanisch) …
Symptom: Dauerschleifen = zu eng eingestellt/Bremssattel falsch montiert. Belagnachstellung aufdrehen/Bremssattel ausrichten.
So einfach die BB7 anzubringen und einzustellen sind – in der Praxis ist die Einstellung leider nicht so präzise, wie man sich das wünscht. Wenn sich das dünne Bremsscheibchen beim Festzurren nach Anleitung nur ein bißchen biegt, hat man schon ein Problem: dann nutzen sich die Beläge ungleichmäßig ab. Also: Bremssattel lösen, Belagnachstellung lösen, innen etwas festziehen, außen ganz festziehen, Sattel festziehen, Belagnachstellung innen etwas, außen etwas mehr lösen.
Symptom: rhythmisches Schleifen = Scheibe nicht 90º zur Achse/Schlag in der Scheibe. Scheibe ausrichten/richten.
Rotiert die Bremsscheibe nicht senkrecht zu Achse, muß man sie neu befestigen und mit dünnen Unterlegscheiben (Shims) ausrichten. Ganz blöd ist, wenn die Scheibe selbst einen Schlag hat. Dann muß man sie richten (Richtwerkzeuge z.B. von Park Tool).
Wer vor all diesen Maßnahmen zurückschreckt, dreht einfach die Belagnachstellung etwas auf und hat Ruhe, aber auch weniger Bremspower.

SATTEL …
Symptom: Knacken = beim Einbau verkantet. Lösen, wieder anziehen.
Was bitteschön soll da knarzen? Das Ding ist neu! Egal, das muß sich erst setzen. Vielleicht sitzen die Streben auch nicht hundertprozentig parallel. Meistens reicht es, die Schrauben, die den Sattel halten, ganz leicht zu lösen und wieder festzuziehen. Die Stütze sollte natürlich festsitzen (Carbonstützenbesitzer beachten das maximale Drehmoment und benutzen Montagepaste).

LAUFRÄDER …
Symptom: Knacken, rhythmisches Schleifen = Speiche lose. Mit Schraubensicherung festziehen, evtl. Laufrad zentrieren.
Fertig gekaufte Sätze haben mitunter keine Schraubensicherung an den Nippeln. Da löst sich gern schon mal einer, dann ist eine Speiche locker, es knackt und klackert, womöglich ist das Rad nicht mehr zentriert (da kann dann eine Felgenbremse rhythmisch schleifen). Blöd. Einfache Lösung: Speichen abklopfen, und die lockere vorsichtig festziehen und dann so viele Vierteldrehungen nachziehen, bis sie beim Klopfen ähnlich klingt wie die Nachbarspeichen. Wenn das nicht hilft: ausbauen und in den Zentrierständer. Und dann am besten mittelfestes Loctite an die Nippel geben.

PEDALE …
Symptom: Klackern, Quietschen = zuviel Spiel, Cleats verschlissen. Anziehen, Cleats tauschen.
Mann! Die Dinger waren tiptop, da hat nichts gemuckt. Klar, die waren ja auch voll verdreckt und jetzt ist der Dreck weg und alles kann sich bewegen. Jetzt fällt auch auf, daß die Cleats unter den Schuhen arg abgelaufen sind (jeden Tag anderthalb Kilometer: Werkstor – Büro – Werkstor). Pedalhaken (Exustar Clipless-MTB-Pedale, Artikelnr. 311803, funktionieren nach Shimanos SPD-Prinzip) festziehen, Cleats tauschen (dumm nur, wenn die Schraubenköpfe auch schon verschlissen sind …), alles wieder gut.

SCHALTUNG …
Symptom: Rasseln, ungenaue Gangwechsel = Begrenzer falsch eingestellt, zuwenig/zuviel Zugspannung. Begrenzer einstellen, Zugspannung einstellen.
Natürlich, es ist ein neuer Zug drin, die Einstellung wurde ganz neu gemacht, vielleicht rasselt es trotzdem noch ein wenig, oder die äußeren Gänge flutschen nicht so rein wie gewünscht. Dann die Begrenzerschrauben checken und etwas mit der Zuglänge spielen, bis es nicht mehr rasselt. Der Abstand des Schaltröllchens zur Kassette sollte natürlich stimmen (5–6 mm – hier kommt’s auf Präzision an).

KETTENBLÄTTER …
Symptom: Rasseln, Kette fällt runter = Begrenzer falsch eingestellt, zuwenig/zuviel Zugspannung. Begrenzer einstellen, Zugspannung einstellen.
Und wieso fällt hier jetzt auf einmal die Kette rechts runter? Da habe ich doch nichts … doch, der Zug ist neu, also paßt die alte Begrenzereinstellung vielleicht nicht mehr. Vorsichtig mit Vierteldrehungen so einstellen, daß die Kette beim beherzten Hochschalten nicht runterfällt und beim normalem Hochschalten zuverlässig nach oben transportiert wird – sonst rasselt es da wieder. Wenn es aus dieser Richtung beim Treten knackt, dann auf jeden Fall nochmal die Kettenblattschrauben kontrollieren! Nach den ersten Kilometern haben sich die Schrauben gesetzt, da muß vielleicht eine nachgezogen werden.

STEUERSATZ …
Symptom: rauher Lauf = Kugeln/Lagerschalen verschlissen. neues Industrielager einsetzen (bei offenen Modellen: Kugeln tauschen, evtl. neue Lagerschale einpressen – nur mit Spezialwerkzeug!).
Mist! Der Cane-Creek-Steuersatz ist grundgereinigt, satt gefettet, sauber eingestellt, da wackelt nichts, wenn man mit angezogener Vorderbremse vor- und zurückschiebt, die Front dreht leichtgängig, und trotzdem ist da was – kaum zu hören, eher zu spüren, wenn man beim Drehen die Finger dranlegt. Klarer Fall: das Lager hat es hinter sich, Kugeln und/oder Lagerschale haben sicher Laufspuren, winzige Riefen, der Anfang vom Ende eben. Nicht so leicht, das bei Industrielagern zu erkennen, weil die Dinger verpreßt sind, aber der rauhe Lauf ist eindeutig.

Wenn das alles beseitigt ist, steht langen Ausfahrten nichts mehr im Weg. Das tödliche Knacken frißt nämlich mindestens die Hälfte der Form, zumindest subjektiv, aber wenn’s lärmt, kann man eben nur noch daran denken und nicht an den nächsten Berg …

Mehr Geräusche …

  • KETTE … Wenn die Kette quietscht und rasselt, warst Du zu faul zum Fetten. Also bitte: ab und zu abwischen und fetten muß schon sein.
  • ZÜGE … Jenachdem, wie sie geführt werden, oder wieviel Spannung ein Schaltzug gerade hat, kann ein Zug am Rahmen schlagen – das rattert und klingelt ganz ordentlich. Die Lösungen sind so individuell wie die Räder: Abstandhalter für offene Züge, Kabelbinder für Zughüllen, Stücke von passendem PVC-Schlauch über die Hülle ziehen etc.
  • INNENLAGER … Übergewicht und Wiegetritt bringen es an den Tag: da verwindet ein Tretlagergehäuse schon mal und das Material ächzt. Einzige Lösung: abnehmen. Oder Fahrstil ändern. Lose Lagerschalen unbedingt festziehen!

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