»Romani ite domum« – Türmebasteln
für Armageddon

Turm

Turm mit abnehmbarem Zinnenkranz, sechseckige Grundfläche, Kantenlänge 18 mm

Armageddon, das ist die große Schlacht am Ende der Zeit, allen Lesern des Johannes-Evangeliums wohlvertraut. Hier ist Bibelfestigkeit jedoch nicht vonnöten, denn wenn ich mich mit Armageddon beschäftige, geht es um ein Tabletop-Spiel.

Ende der 1960er Jahre entwickelten Edi Lukschandl, Hubert Straßl und Axel Melhardt ein auf einen Sechseckplan aufbauendes Spiel, nannten die Spielwelt Die Alte Welt, später wurden daraus Magira und Armageddon. Vorbild waren amerikanische Konfliktsimulationsspiele.
Beim Science Fiction Con in Wien 1966 wurde FOLLOW gegründet. Das war eine in Magira beheimatete Spielsimulation, betrieben von einer enthusiastischen Gruppe hauptsächlich Wiener Fantasy- und Spiele-Fans. Das erste Armageddon-Spiel fand am 30. März 1968 statt.
Quelle: Wikipedia

Regelmäßige Leser dieses Blogs sind Follow schon begegnet und wissen, daß der Begriff eine Abkürzung ist für »Fellowship of the Lords of the Lands of Wonder«. Gäbe es ein FAQ-File zu Follow, müßte eine Antwort auf jeden Fall drinstehen: »Follow ist kein Larp.« Liverollenspiel findet in Follow nur selten statt und wenn, nehmen auch nur die daran teil, die gerade Lust haben, der Rest schaut zu. So verhält es sich auch mit allen übrigen Aktivitäten: niemand muß sich mit dem Versuch quälen, lesbare Fantasy zu schreiben, doch wer das möchte, findet in den Lesern des vierteljährlich erscheinenden Magazins FOLLOW ein aufmerksames Publikum. Die Teilnahme am Ewigen Spiel ist genauso freiwillig.

Das Ewige Spiel, das ist die Fortsetzung jener Armageddon-Partie, die am 30. März 1968 stattfand. Die Regeln wurden seitdem fortlaufend weiterentwickelt und verfeinert. Jede Gruppe in Follow darf einen Spieler stellen, der sie im Ewigen Spiel vertritt; die Ergebnisse des Spiels liefern das Grundgerüst für die Geschichte der Welt Magira, die Erzählungen der Mitglieder erwecken diese Geschichte zum Leben. Zusammen mit der Gestaltung und Darstellung fiktiver Kulturen machen diese Elemente die Faszination von Follow aus.

Ewiges Spiel

Ewiges Spiel 2011: Die Flotten der Horde der der Finsternis (gelb) und Feuerlands (blau) greifen Waligoi und Tir Thuatha (rechts oben) an (Foto: Brigitte Fielicke)

Verglichen mit Literatur und der vielfältigen Kultursimulation, die von Kunsthandwerk bis Theater eine Vielzahl von Ausdrucksformen benutzt, ist ein Tabletop, das vornehmlich auf geschickter Aufstellung und einer Portion Würfelglück basiert, wenig kreativ. Aber selbst bei einer Ad-hoc-Partie entwickeln sich im Dialog der Spieler ganz von alleine Geschichten, die ihren eigenen Unterhaltungswert besitzen. Eingebettet in eine vielschichtige »shared world« wie Magira, die seit fast fünf Jahrzehnten ständig ausgebaut wird, erhält das Ewige Spiel jedoch eine ganz andere, größere Bedeutung – ohne Rücksicht auf den kulturellen Hintergrund gespielt, kann eine einzige dreitägige Partie, wie sie jährlich beim Fest der Fantasie stattfindet, die literarische Arbeit von Jahren und Jahrzehnten über den Haufen werfen. Auch die Umsetzung der Spielgeschehnisse in Literatur erfordert viel Phantasie: So darf man niemals den Fehler machen, Entfernungsmaßstäbe aus dem Spiel in Erzählungen zu übernehmen – aus einfachen Pfeilen werden so veritable Mittelstreckenraketen und Steine, geworfen von Katapulten, erhalten die Energie von Atombomben.

Bastelbogen TurmAls Autor hatte ich über das Spiel immer die Nase gerümpft. Die Gestaltung einer Welt drei sechsseitigen Würfeln zu überlassen fand ich sehr reizlos. Dabei hatte ich das diplomatische Element völlig außer Acht gelassen. Das war der Job von Jörg, der unsere Gruppe als Spieler an den vier Spielplatten vertrat. Als er Anfang 2012 viel zu früh verstarb, stellte sich die Frage: Wer soll ihn ersetzen? Und weil sich so schnell kein Vertreter finden ließ (EWS-Spielen ist nicht sehr beliebt, weil man drei Tage des jährlichen Festes an der Platte verbringt, anstatt auszuschlafen und zu feiern), sprang ich ein. Wenige Wochen blieben mir, um mich in die Regeln und die komplexe Bündnissituation einzuarbeiten. Es war … interessant. Ich habe alle Fehler gemacht, die man machen kann und obwohl ich Lehrgeld bezahlen mußte, fand ich es wider Erwarten so spannend, daß ich damit weitermachen werde.

Glücklicherweise habe ich zwei Söhne, die auch sehr gern Armageddon spielen, so können wir gemeinsam lernen. Und basteln! Denn ein Spieler braucht Spielfiguren (ein teurer Spaß!), Geräte und Bauwerke. Türme zum Beispiel: der Arma-Blog des Berliner Armageddon-Enthusiasten Matthias Bogenschneider beschäftigt sich mit allen Utensilien, die für das Spiel benötigt werden. Die Seite ist eine echte Fundgrube: akribisch durchforstet Matthias seit Jahren das Netz auf der Suche nach geeigneten Spielfiguren und listet alle Quellen auf, ergänzt um Hinweise, ob das angebotene Material spieltauglich ist oder nicht. Und er bietet Bastelbögen zum Download an, mit denen man sofort loslegen kann.

Wenn man einmal die Vielfalt der Baustile beim Ewigen Spiel gesehen hat und die kleinen Katastrophen, die passieren, wenn wackelige Türme umfallen, oder das Gefummel, wenn jemand schauen will, was eigentlich im ersten Stock jenes Bergfrieds steht, merkt man sofort, daß Matthias’ Türmen langjährige Erfahrung zugrundeliegt. Einziger Nachteil: die Vorlagen sind nicht sehr maßgenau, da sträubt sich dem Grafiker in mir das Rückenfell. Also bin ich darangegangen, den Entwurf im Illustrator nachzubauen und eigene Fassaden zu entwerfen. Für meinen Ältesten, der sich jede Woche mit Latein rumquält, brauchte ich natürlich einen Turm mit Graffiti darauf: »Romani ite domum« – nicht ganz hundertmal, dafür grammatikalisch korrekt. Ablativ, gell? Ah … nein, Akkusativ! Akkusativ!

Links

Wenn Du die Türme nachbauen willst, brauchst Du ein etwas stärkeres Papier (ca. 150 gr/qm), einen Farbdrucker, ein scharfes Messer, ein Lineal, ein Falzbein oder ein Tafelmesser, um den Karton zu rillen, Klebstoff und etwas Geduld. Viel Spaß!

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2 Antworten auf »Romani ite domum« – Türmebasteln
für Armageddon

  1. Jürgen Fetsch sagt:

    Hallo liebe Armageddon Freunde,
    im kleinen Isny im Allgäu lebt der Mythos Armageddon.
    Wir haben die Basisregeln konsequent weiterentwickelt, ebenso die Spielfläche.
    Das Grundsechseck ist aus Holz mit den Außenmaßen 4,4 cm, so dass darauf mit 28mm Figuren (vorzugsweise GW Herr der Ringe) gespielt werden kann.
    Das Spielfeld ist eine Art Setzkastensystem, somit immer veränderbar. Das Gelände ist liebevoll gestaltet. Waldfelder haben beispielsweise Modellbäume, Farne und Pilze.
    Es gibt verschiedene optionale Zusatzregeln, wie Gebäude, Schätze.
    Die Regel Zauberer und Fabelwesen haben wir komplett neu erfunden mit Dämonen und Zauberer.
    Schiffe sind aus Echt-Holz, Onager und Geräte von diversen Herstellern, teilweise selber entwickelt.
    Bei Interesse schicke ich gerne einmal Bilder.
    Viele Grüße, Jürgen

  2. Pingback: BUCHSTABIERE TWRCH TRWYTH – Ein Sláinte auf die Flotte! | mueller:manfred

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