Reality Check – Julia Schramm
und das liebe Geld

Julia Schramm, prominente Piratin und Protagonistin der datenschutzkritischen Spackeria, veröffentlicht ein Buch: »Klick mich – Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin«. Ganz klassisch in einem Verlag, dem Albrecht Knaus Verlag, der zum Random-House-Imperium gehört. Dem Vernehmen nach gab’s einen tüchtigen Vorschuß, man spricht von 100.000 Euro. Die Rezensionen sind, gelinde gesagt, durchwachsen.

Nun kommt jemand daher, stellt das Ding als PDF bei Dropbox zum Download bereit, der Verlag geht dagegen vor und prompt ist die prominente Piratin im Gespräch, weil ihr Name nun mit einer Maßnahme verknüpft ist, die sich gegen „Raubkopierer“ richtet, wo doch jeder weiß, daß die Piraten alles für umme ins Netz stellen wollen – so jedenfalls kommt es beim BILD-Klientel an.

Reaktion der Piraten-Kritiker: Häme, Empörung und Artverwandtes.

Reaktion der Sympathisanten: Das macht doch der Verlag, nicht die Julia, ihr seid doch alle blöd!

Um mal den Unbedarftheiten von beiden Seiten ein schnödes realistisches Element hinzuzufügen:

Was ist denn der hauptsächliche Effekt der Aktion? Publicity. Was wird die Folge sein? Ein besserer Abverkauf. Wer hat denn ein Interesse daran? Der Verlag und die Autorin.

So, jetzt kommen alle mal wieder runter und sehen ein: Hier geht’s nicht um den exemplarischen Clinch zwischen Urheberrecht und Umsonstkultur, hier geht’s einzig und allein um – richtig – Geld. Und danach um noch mehr Geld.

Dabei hätte es Alternativen gegeben: die deutschen Ausgaben von Cory Doctorows Titeln »Upload« und »Backup« wurden unter CC-Lizenz gestellt und für einige Zeit sogar zum kostenlosen Download angeboten – ebenfalls von Random House [1]. Das schmälert den Gewinn vielleicht geringfügig, sorgt aber im Endeffekt für nachhaltige Bekanntheit.

Am Verlag kann es also nicht gelegen haben, daß Frau Schramm ihr Werk nicht unter CC-Lizenz gestellt hat. Die Piratenpartei ist ja immer noch dabei, an Profil zu gewinnen, viele kleine und kleinste Interessengruppen kämpfen darum, ihre Inhalte ins Programm einzuschleusen – in den letzten Wochen erst wurden wieder AKW-Freunde und Waffenliebhaber gesichtet. Warum nicht auch ein paar geldverliebte Kapitalisten? Wir sind ja schließlich nicht bei den Linken …

Der Gedanke an eine lancierte PR-Maßnahme liegt nahe – man vergleiche den Rummel um das tolle Buch der Ex-Präsidentengattin Wulff. Ohne die Rotlicht-Gerüchte, an die man sich glücklicherweise wieder erinnerte, und die völlig schwachsinnige Idee, Google wegen etwas zu verklagen, das seine Nutzer zu verantworten haben, hätte man gleich eine Null von der Startauflage wegnehmen können.

Also, laßt euch nicht veräppeln, hört auf zu diskutieren und widmet euch wieder den wirklich wichtigen Dingen. Nur meine fünf Cent.

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2 Antworten auf Reality Check – Julia Schramm
und das liebe Geld

  1. Unter SEO-Gesichtspunkten ist der Titel Deines Blogposts ja ein echter Kracher. Ich muß lächeln.

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