Elbtore

Dresden rechtselbisch, Radeberger Vorstadt, 30.4.2012: Der Weg ist versperrt …

„Der Weg ist versperrt. Er wurde angelegt von jenen die tot sind. Und die Toten halten ihn. Der Weg ist versperrt. Nun müsst auch ihr sterben.“
Aber nicht heute, auch wenn es wirklich sehr warm ist.

Kaum vorstellbar, daß zehn Jahre zuvor schmutzigbraune Wassermassen das zwitschernde Idyll ertränkten. Wenn jetzt die Welle käme … Ach, halt dich einfach an einem Baum fest und warte, bis sie hoch genug ist, daß sie dich über eine der Mauern spült. Dann durch den Garten hoch zur Straße waten. Wenn man dich läßt.

Die meisten Gärten sind menschenleer an diesem Montagnachmittag. Ein kleiner Junge spielt allein unter einem der uralten Bäume. Im Park der Privatklinik nebenan ist es ruhig. Die neuen Nasen und Brüste erholen sich vor Blicken geschützt im Schatten.

Alter Sandstein und frisch gehauener. Bröckelnde Mauern gewähren Einblick in die Geschichte der Planwirtschaft: Es gibt wieder Zement! Nein, es gibt leider keinen Zement. Es gibt wieder Zement! Nehmen Sie einen Sack mehr mit! Der Nachbar hat Dachziegel.

Den verschwiegenen Gartentoren am Fluß sieht man den Sozialismus nicht mehr an. Es gibt wieder Rostschutzfarbe, es gibt neue Tore, es gibt schwäbische Gegensprechanlegen, es herrscht kein Mangel in den Villen, die den Weg zurückgefunden haben in gut betuchte Arme. Alles ist gut abgesperrt. Vom anderen Ufer lugen ja die Plattenbauleute herüber.

Weiter geht die proletarische Frühsommerfrische. Noch ahne ich nicht, daß ein magischer Schimmer all meine Bilder verzaubert hat. Später sehe ich es: Ein unirdisches Licht scheint aus den Gärten heraus.
Das kommt von dem magischen Fettfleck auf der Linse, von dem unachtsamen Proletenfinger, vom gedankenlos dahingewischten Frittenfett. Billige Gier, magische.










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