Für Westerwelle kann ich nix!

Guido Westerwelle

Foto: Dirk Vorderstraße (Lizenz: CC BY 3.0)

In seinem „Abendblatt“-Blog stellt Stephan Bellem die Frage, ob wir die, die uns regieren, verdient haben? Ist es so außergewöhnlich, daß ein Mann wie Christian Wulff Gefälligkeiten und Geschenke dankend annimmt? Ist es verwerflich, daß die Guttenbergs und Koch-Mehrins die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, nutzen? Oder ist es einfach das, was wir alle tun?

Die „Nimm mit, was du kriegen kannst“-Mentalität ist weit verbreitet. Das hat aber sicher nichts damit zu tun, daß hierzulande die moralischen Werte verfallen, sondern umgekehrt wird ein Schuh draus: die Werte, die nötig wären, um integre Politiker heranzuziehen, die robust genug sind, um diese Integrität auch zu bewahren, wenn sie die Politkarriere einschlagen, die sind noch nicht weit genug entwickelt. Bis dahin repräsentieren diese Politprofis uns sehr gut, weil wir eben auch so sind. Tendentiell.

Wir regulieren ja gerne. Warum nicht auch Politwerbung? Werbung an sich unterliegt strengen Regeln, warum also nicht auch die Wahlkampfwerbung der Parteien? Warum es ihnen nicht erschweren, die niederen Instinkte in uns anzusprechen? Es ist so weit gekommen, daß ein langjähriger Bekannter von mir, von dem man stets dachte, er hege eher linksradikale Ansichten, eines Tages bekanntgab, die Silvana Koch-Mehrin finde er auch „irgendwie gut“. Da wußte er noch nichts von ihrer Doktorarbeit. Da hatten bloß Plakate und Fernsehbilder gewirkt. Ernüchternd.

Guten Gewissens könnte ich kein Parteiprogramm pauschal wählen. Das neueste Angebot sind die Piraten: Netzpolitik, Informationsfreiheit, Transparenz, Bürgerrechte, Bürgerbeteiligung, offenes Programm etc. – das klingt wie ein erfrischendes Paket. Leider dürstet der Medienapparat einzig nach Ikonen: kaum sind die Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen – zack! – werden die Gesichter nach vorne gezerrt. Die Reflexe der Medien und ihre stereotypen Fragen sind manchmal schon widerlich. Aber: die Piraten liefern. Sie liefern Christopher Lauer und Marina Weisband. Gesichter. Abziehbilder. Am Ende läuft auch das wieder auf denselben stilisierenden Personenkult hinaus, der die Leute schon ihre Kreuzchen bei all den Spacken machen ließ, deren politisches Wirken wir heute nimmermüde beklagen.

Und wir? Wer von uns liest denn schon Programme? Und welche Möglichkeiten nehmen wir wahr, bei den von uns Gewählten die Durchsetzung derselben einzufordern? Ja? … Ich höre …

Ich check ja immer mit dem Wahl-O-Maten, was ich wählen soll, da hab’ ich dann wenigstens einmal überprüft, wer meine Ansichten am besten wiedergibt. Leider gefallen mir die Ergebnisse oft nicht. Ich bin bloß froh, daß er mir noch nie CDU oder FDP empfohlen hat, der Wahl-O-Mat. Also, mein Wulff ist das nicht und meine Merkel auch nicht. Und für Westerwelle kann ich schon mal gar nichts!

Das ist alles eure Schuld …

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2 Antworten auf Für Westerwelle kann ich nix!

  1. SRB sagt:

    Schöner Beitrag. Aber ein kleiner Schönheitsfehler muss noch beseitigt werden.
    Das “ph” in meinem Namen ist nicht irgendeine Schrulligkeit, sondern das hat da durchaus seine Berechtigung ;)
    Ich weiß, ich weiß, wie spießig ich bin, dass ich daran rummäkel. Aber das tue ich schon seit meiner Schulzeit. Die Gewohnheit wird man nicht los. :D

  2. Verzeih. Wird selbstverständlich sofort korrigiert.

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