Web.de-Fail:
„Ihre Treueprämie: Keine E-Mails!“

Web.de FailDamals, als Google noch ein Gerücht in der c’t war, da streckten Portale wie Web.de ihr Fingerchen in die Höhe, um neben dem internationalen Platzhirsch Altavista ein Eckchen auf dem deutschen Suchmaschinen- und Web-Verzeichnis-Markt zu ergattern. Altavista ist längst nur noch eine Marke unter dem Dach von Yahoo, Google beherrscht die Online-Welt und Web.de wirft in nimmermüder Krämermanier ein Lockangebot nach dem anderen unters Volk – wehe dem, der vorschnell irgendetwas kostenloses auf dem Portal angeklickt hat: möchte man es dann doch nicht bezahlen, weil man sich getäuscht fühlt, lernt man die Bedeutung des schönen Wortes „Inkasso“ kennen.

Trotz allem nutzen Millionen Kunden den kostenlosen Freemail-Dienst von Web.de. Ich auch: 1996 eröffnete ich meinen ersten Freemail-Account; seitdem habe ich immer wieder auf den Gratisdienst zurückgegriffen (und mir immer größere Mühe geben müssen, das nervtötende Bling-Bling der Portalseite zu ignorieren, um in konzentrierter Anstrengung den Link zu finden, mit dem ich mein Freemail-Konto aufrufe).
Vor sieben Jahren legte ich abermals einen Account an, nicht, um E-Mails mit meinen Freunden auszutauschen, sondern als Backup-Adresse im Netz, für die Registrierung in Online-Shops, Internetforen, oder einfach als Spam-Fänger – Spam ist halt der Preis, den man zahlt, wenn man neue Dienste ausprobieren will und die dann doch nicht so pfleglich mit meiner Mailadresse umgehen, wie ich das gerne hätte.

Sieben Jahre, das ist doch ein schönes, rundes Jubiläum! Vor einigen Wochen begrüßt mich das Web.de-Portal drum mit neuem Bling-Bling (der Wortlaut ist jetzt mal von mir): „Danke, Herr Müller, daß Sie uns so lange treu geblieben sind! Als kleines Dankeschön für Ihre Treue können Sie jetzt für ein paar Wochen einfach mal unseren (ansonsten horrend kostenpflichtigen) Clubtarif testen! (Und vergessen Sie bloß nicht, den rechtzeitig zu kündigen …)“ Nein, danke, wie immer kein Interesse, das kenne ich schon von meinen Geburtstagen – da wollen sie mir auch immer was schenken. Ich klicke weiter …

Posteingang

E-Mails aus sieben Jahren …

… und lande in einem leeren Postfach. Eingang, Ordner, Adreßbuch: alles ratzekahl leer. Rechnungen, Paßwortmails, Registrierungscodes, Serverlogs, Webstatistiken, Statusmails meiner Blogs – alles weg. Mit meinem Laienverstand reime ich mir zusammen, daß jemand mein Konto verschoben hat, vielleicht auf einen anderen der unglaublichen 1.500 Web.de-Server, so daß die Verbindung zu meinen E-Mails verloren ging, oder diese ganz gelöscht wurden. Kurzerhand suche ich nach einer Möglichkeit, Web.de zu bitten, das wieder in Ordnung zu bringen, finde aber außer der nicht eben günstigen kostenpflichtigen Hotline bloß eine E-Mail-Adresse: info@web.de. Ich schreibe „info“ eine Nachricht …

… und erhalte keine Antwort, nicht mal eine automatische, auch nicht nach zwei Wochen. Also schreibe ich noch eine Nachricht. In der Woche darauf meldet sich der Automat endlich und sagt:

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
bitte beachten Sie, dass an diese E-Mail-Adresse gerichtete Kündigungen und Vertragsänderungen keine Rechtsgültigkeit besitzen.

Das hilft mir weiter. Genauso wie der Link auf den Kundenservice: die Telefon-Hotline ist geöffnet Montag–Freitag 8–21 Uhr, Samstag/Sonntag 10–18 Uhr, für läppische € 1,86 die Minute. Ist es das wert?? Glücklicherweise helfe ich meinem löchrigen Gedächtnis seit ein paar Jahren etwas intelligenter auf die Sprünge, alle Daten sind doppelt gesichert, aber meine bequeme Ablage im Netz ist futsch. … Manchmal muß man eben loslassen.

Web.de, ich denke mal, das war’s mit uns beiden. Ich weiß, Du hast nie einen Pfennig Geld von mir gesehen und auf Deine Anzeigen habe ich auch nie geklickt. Dafür hast Du alle meine E-Mails gelöscht – wir sind quitt.

Nachtrag 31. August 2012:
Kaum zu glauben: Heute habe ich mich wieder mal eingeloggt, weil gelegentlich noch Mails an die Adresse eintrudeln. Und wieder sind alle Ordner leer … Web.de, Du hast sie echt nicht mehr alle.

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Eine Antwort auf Web.de-Fail:
„Ihre Treueprämie: Keine E-Mails!“

  1. Günther sagt:

    Moin auch,
    wie unerfreulich! Diese Erfahrung bestärkt mich darin alle echten Mails, die bei GMX eintreffen, vom Mac-Account aus abzurufen und lokal abzulegen. Nur die vielen – lieb gemeinten – Viagra-Angebote, Gewinner-Glückwünsche, Sicherheitsaufrufe von Banken (deren Kunde ich niemals war) bleiben artig im Spam-Postfach von GMX. So hat der Spam-Verhinderungsautomat täglich was zu tun.
    Amüsierte Grüße – Günther

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