Google Adsense besorgt um sterbende Autofahrer

EKG IconFrüher wurden Automobilfabrikanten kommunikativ, wenn die Markteinführung eines neuen Modells nahte, manchmal genügten auch schon kleinere Anlässe. Es gab jede Menge Zeit, Pressematerial herzustellen. Alle Bilder wurden zigmal diskutiert und retuschiert, alles war hochglänzend und sehr wichtig. Und natürlich teuer. Damit ist es vorbei.

Im Social-Media-Zeitalter unterhalten auch Industriegiganten flinke, stets etwas hektische Teams allwissender Internet-Nerds, die nur ein Ziel haben: ständig im Gespräch zu sein. Da kriegt alles ein Gesicht, einen Twitter-Account, eine Facebook-Seite, einen Youtube-Channel. Zu jedem Thema gibt es prompt eine Ressource, eine Microsite, vor Ort Downloads und USB-Sticks für Qualitätsjournalisten und immer häufiger werden Wagenladungen voller Blogger hofiert. Muß sein, die anderen machen es auch. Immer am Puls der Zeit.

Wenn die Produktentwickler über neuen Fahrzeugentwürfen grübeln, sind die Autoforscher schon wieder einen Schritt weiter: Was kann man als nächstes tun? Wieso nicht einen Sitz bauen, der dem Fahrer während der Fahrt ein EKG abnimmt? Der Bordcomputer erkennt Streß und gesundheitsbedrohende Situationen, kann den Fahrer ermahnen, rechts ranzufahren und im Infarktfall ruft er gar die Notrufzentrale an. Oder anders. Das ist halt Forschung, da muß man erstmal sehen, was man daraus macht.

Presseveröffentlichung EKG-SitzZu Ende denken können wir es später, jetzt muß die Unterlage raus. Einer organisiert ein Fotoshooting, ich bastele ein Datenblatt, dafür im Illustrator ein schnelles Icon. Als ich noch Korrekturen erwarte, ist das Material längst unters Volk gebracht. So geht das heute.

Google Adsense geht da einen Schritt weiter: Während die „content factory“ schon wieder über den nächsten Themen brütet, die in den „earned media“ plaziert werden sollen, analysiert der Werbedienst unsere Presseveröffentlichung und sucht im Speicher nach geeigneten Produkten, die dazu passen könnten. Man stelle sich vor, der Fahrer hat wirklich einen Infarkt – da hilft Google weiter und empfiehlt – ganz am Puls der Zeit, sehr trendy – die Bestattung unter Bäumen. Unweit von Köln bietet die Firma Pütz-Roth so etwas schon an, idealerweise direkt an der Straße …

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