Gutes Werkzeug

SkalpellWenn man an der Quelle sitzt, sollte man meinen, daß man zuerst trinken darf. Heute ist das so: wenn es zu einem Thema kein Bildmaterial gibt, dann werden die nötigen Shootings organisiert. Normal? Sollte man meinen.

In großen Unternehmen gibt es häufig einen Wettbewerb zwischen Marketing und Kommunikationsabteilung. Wer ist denn eigentlich wofür zuständig? Die Kommunikationsleute denken gern, daß Marketing sich gefälligst ums Sortiment, um Preisgestaltung und darum zu kümmern habe, daß der Showroom ordentlich gewischt wurde. Marketing weiß, daß man am besten alles selbst macht, „ganzheitlich“, von der Marktforschung über Design und Produktentwicklung, PR, Werbung, Preisgestaltung, Vertrieb, POS-Aktionen, CRM-Maßnahmen bis hin zu Aftersales-Betreuung und Beschwerdemanagement. Kommunikation soll den Bürgermeister zum Roll-Out des neuen Modells einladen und sich ansonsten raushalten.

Und wer macht jetzt die Fotos? Na, nach diesem Modell jeder für sich. Denn die Kommunikationsleute brauchen auch Bilder. Für ihre Pressematerialien, für alles, was mit „Relations“ zu tun hat: Public Relations, Human Relations, Investor Relations, Public Affairs … Überhaupt kann Marketing gut rechnen, aber von Kommunikation wissen sie doch erstaunlich wenig. Und auch nicht, wie man gute Texte schreibt und wirksame Veranstaltungen organisiert und Mitarbeiter informiert und einbindet. Bilder sind auch Informationen, die kommuniziert werden müssen und „kommunizieren“ hat ja direkt mit „Kommunikation zu tun“. Also …

@Ford 61 - Februar 2006So kann das ewig weitergehen. In der Zwischenzeit sitzt der Grafiker vor seinem Bildschirm und soll ein Titelbild zum (weiland) neuen Ford Transit machen. Und weil die wenigen zur Verfügung stehenden Bilder allesamt wenig aufregend sind, denkt er sich was aus: eine Blaupause, darauf ein paar grafische Werkzeuge und natürlich das Auto, um das es geht, als Foto in die Ecke gelegt. Ob das was werden kann?

Am Ende sind sich Marketing und Kommunikation einig: Sie wollen das Auto sehen, nicht irgendeine Metapher von Werkzeug und Design und Plan. Immerhin, Einigkeit …

P.S.: Heutzutage läuft das alles etwas anders. Jetzt ist alles „global“, es gibt „blended teams“ und sehr viel Kommunikation über die Grenzen von Regionen und Organisationen hinweg. Man darf nur niemals den Schwung verlieren.

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