Zerberus oder Hütehund?

Amanda Hocking ist der shooting star im Selfpublishing: mit 11 Titeln hat sie fast 200.000 Kopien ihrer selbstpublizierten eBooks verkauft. Auch der Autor Stephen Leather, dem es eigentlich schon ganz gut ging, hat dank Amazons Kindle viele zusätzliche Verkäufe erlebt. Stefan Holzhauer von phantanews.de prophezeit den traditionellen Verlagen schwere Zeiten:

Gerade bei den Special-Interest-Themen wird Selfpublishing via eBook ganz schnell eine feste Größe werden – allein schon deshalb, weil die hiesigen großen Verlage viel zu schwerfällig und engstirnig sind, um auf Trends einzugehen, die sich in Zeiten des Internet viel schneller verbreiten, als die trägen Dinosaurier es überhaupt merken. Bis dann in den Entscheideretagen jemand den neuen Trend bemerkt hat und verzweifelt versucht, Inhalte über das Thema anzukaufen, ist das Web (und damit die Welt) schon weiter.

Ich halte fürgegen.

Für den Erfolg von Selfpublishing spricht, daß lästige Zwischenhändler und Filter wegfallen. Der Zugang zu den Märkten wird leichter, der Zugang zu den Kunden nicht unbedingt, aber auch nicht schwerer, wenn die Suchtechnologien Schritt halten.

Gegen den Erfolg von Selfpublishing spricht, daß Marketing mehr ist als bloß Marktschreierei, Profitmaximierung und Konkurrenzausschluß, es bedeutet eben auch, daß man etwas zu Markte trägt, was dort auch eine Chance hat.

eBooks verschenken verkauft mehr Bücher

Reichern wir den Marketingdisput doch mal mit ein bißchen Praxis an: Neil Gaiman und Cory Doctorow – beide wirklich gut im Geschäft und nicht von Überraschungserfolgen abhängig – haben beide eBooks verschenkt und berichtet, daß das ihre Buchverkäufe eher angekurbelt habe.

Ein bedenkenswertes Modell: anstatt auf den Abverkauf zu warten, leistet man der Penetration Vorschub und sorgt so für den nötigen Bekanntheitsgrad und hohe Akzeptanz beim Publikum. Wer ein Buch wirklich haben will, wird es dann auch kaufen, oder eben einen anderen Titel desselben Autors, weil die Qualität der Gratisgabe bereits überzeugt hat. Natürlich kaufe ich das Buch nicht, wenn das eBook nichts taugt. Sollte man also die Katze solange im Sack lassen, bis man den Kauf nicht mehr rückgängig machen kann?

Nein, ich finde die Idee großartig. Ruhig mal den Sack aufmachen, wenn die Katze noch drinsitzt. Natürlich wird man mit Nixies keinen Cent mehr Umsatz machen, wenn man eBooks verschenkt. Um die geht’s auch gar nicht.

Wenn die Rechnung also lauter Unbekannte hat, dann weist sie zumindest den einen Vorteil auf, daß das Verschenken von eBooks die Transparenz fördert, Qualität offenlegt, Vertrauen weckt und die Bekanntheit des Autors steigert und die seines Verlages übrigens auch. Wenn man dieselben Effekte mit klassischer Werbung erzielen wollte, würde man ein Hundertfaches investieren müssen, wenn nicht mehr. Ein eBook zu produzieren und zu vertreiben dagegen ist recht kostengünstig.

Nebenbei gesagt: das Spiel geht natürlich nur dann zu Gunsten des Anbieters auf, wenn die Ware in Ordnung ist. Auf Mitnahmeeffekte bei Ramsch zu hoffen, nur weil eBooks machen billig ist, ist niedrigste Kundenverarsche. Schreiben muß man schon auch noch können …

In ein paar Jahren werden wir sehen, ob die heute noch Abgewiesenen es dann doch geschafft haben, die Zerberusse der Verlagsindustrie, Redakteure und Lektoren, auszutricksen, oder ob die Zerberusse in Wahrheit Hütehunde sind.

In Kürze probiere ich es dann mal selber – mal sehen, ob ich sehr reich werde …

Mitte März gibt es auf der Leipziger Buchmesse einen Programmpunkt zum Thema:
„iPad, E-Book, EPUB – Chancen und Risiken durch neue Lesegeräte“
17. März 2011, 17-18 Uhr
Leipziger Buchmesse – Halle 3 – Sach- und Fachbuch Forum

Ähnliche Beiträge

Abgelegt unter Schreiben und getaggt mit , , , , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>