Willkommen im Diesseits

Es gibt Menschen, die glauben, ein probates Mittel zur Flucht vor den Unwägbarkeiten des Lebens sei die Flucht in andere Welten. Anderen sind die Gegenwelten bloße Unterhaltung, ihnen ist klar, daß Flucht keine Probleme löst. Beide Arten werden jäh aus dem Jenseits gerissen, wenn sie erkennen müssen, daß das richtige Leben solche selbstgezogenen Grenzen nicht respektiert.

Ausgabe 259 des Fandom Observer beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, ob es in Ordnung ist, wenn Autoren, die in dem Ruf stehen, kritisch zu sein und politisch vorwärtsdenkend, einen Roman in einem Verlag veröffentlichen, der unter anderem damit sein Geld verdient, Science Fiction für ein rechtsradikales Publikum zu produzieren. Der Autor des fraglichen Beitrags – das bin ich selber – findet, daß das nicht in Ordnung ist.

Im April 1989 erschien die erste Ausgabe eines Fanzines, das sich darauf spezialisierte, Nachrichten aus dem deutschen Science-Fiction-Fandom zu verbreiten – nicht, daß das damals eine besonders große Szene gewesen wäre, aber eine mit Tradition (spätestens seit der Gründung des Science Fiction Club Deutschland im Jahr 1955). Infozines – so hießen die Nachrichtenverbreiter – gab es auch schon, trotzdem war der Fandom Observer von Anfang an etwas besonderes: respektlos, frei von Geschmacksgrenzen und Anspruch, nicht zwingend ernsthaft, in der Sache aber gnadenlos. Ich habe dieses Projekt von Anbeginn begleitet, erst als Autor, später als Chefredakteur, und es war mir ein Vergnügen. Alle Jubeljahre noch stelle ich eine Ausgabe zusammen, zuletzt die Nr. 259 von Januar 2011.

Fandom Observer 259Den Verlag, der sein Geld mit Nazi-SF verdient, werde ich hier nicht namentlich nennen, um ihm nicht noch mehr Suchmaschinentreffer zu bescheren, die oben erwähnten Autoren allerdings sind Ronald M. Hahn und Horst Pukallus, die ich eigentlich sehr schätze, die nun aber für ein paar Euro mehr ihre einstigen Überzeugungen über Bord geworfen haben. Unter anderem damit beschäftigt sich der Fandom Observer in Ausgabe 259.

Anlaß zum Schmunzeln gibt auch der altehrwürdige SFCD e.V., dem Streß ins Haus stand, als ein aufmerksames Mitglied Fahrtkostenabrechnungen des Kassierers hinterfragte. Anlaß zur Diskussion hingegen beschert die Autorin Petra Hartmann, die das Fantasy-Angebot in den Regalen der Buchläden beklagt – im Nachhall löste sie in einer der wichtigsten Fan-Sites, sf-fan.de , eine lebhafte Diskussion aus.

Das Titelthema wollen wir nicht vergessen: „Der Netzmensch“ nennt sich die Suche nach dem prototypischen Fan von heute, ein Artikel, der in Interviewform der Frage nachgeht, wie denn das Fandom von heute aussieht und wo man es finden kann. Mein kompetenter Gesprächspartner: Cynx, der auf allen Kanälen sendet und überall zu finden ist, wo es um phantastische Themen, um Larp und Steampunk geht, aber auch um Netzpolitik, Zensur und informationelle Selbstbestimmung. Auf ein paar Seiten kann man das Thema nur anreißen, aber ausgestattet mit ein paar Links hat man das Fandom von heute schnell wiedergefunden.

Das Schöne am Fandom Observer ist: man kann ihn abonnieren, die Papierausgabe kostet 24 € für zwölf Ausgaben, aber wer die Kosten scheut, kann ihn kostenlos in PDF-Form herunterladen. Neuigkeiten vom Fandom Observer gibt es bei Twitter, Kontakt zur Leserschaft hält die Redaktion seit neuestem auch per Facebook.

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