Von Lamanor zu Nasgadh

Nasgadh der GoldeneKönigreiche erbt man für gewöhnlich, oder man erobert sich eines. Manchmal kriegt man aber auch eines geschenkt. Mir hat man vor einigen Jahren des Stammkönigreich Tir Cladhainn geschenkt. Das klingt keltisch, ist es aber nicht wirklich, alles bloß ausgedacht, nur Spaß.

Ganz real dagegen war die Morgengabe, die zu dem Geschenk gehörte: ein Wappenschild, angefertigt von jemandem mit Kenntnissen in Metallverarbeitung. Ein Verkehrsschild hatte dran glauben müssen, ringsherum hatte man ein Metallprofil angenietet, Griffe auf die Rückseite, fertig.

Ach so, das Wappen … Links oben sehen wir ein Schwert und einen Blitz, rechts oben eine Stadtmauer, gekrönt vom Kopf eines Greifvogels. Das Zentrum beherrscht der behelmte Kopf eines Kriegers, dessen prominentestes Merkmal eine riesige Knubbelnase ist. Danke, was für ein schönes Stück, damit schmückt sich doch jeder gerne …

Nach einigem Grübeln stand mein Entschluß fest: etwas neues muß her! Natürlich kann man ein Wappen nicht einfach so verändern, egal, ob erfunden oder nicht. Das muß ja Hand und Fuß haben. Oder nur Hand, denn Füße haben die bärtigen Figuren, die im keltischen Kunsthandwerk der La-Tène-Zeit vorkommen, selten. Die berühmte Bronzekanne aus dem Kleinaspergle etwa, die heute im Stuttgarter Landesmuseum steht, zeigt eine etruskisch inspirierte Satyrfigur mit üppigen Locken und kommt ganz ohne Gliedmaßen aus.

Ein Krieger sollte es werden, stilistisch an diese Zeit angelehnt, nicht mehr so urtümlich wie die Zeugnisse der Hallstattzeit, sondern verfeinert. Und er sollte das Wappen ausfüllen, also mußten die übrigen Bestandteile an den Rand treten, die Festung gar in den Hintergrund. Die sechseckige Grundform wurde durch einen Kreis ersetzt.

Schwert und Blitze tauschte ich kurzerhand aus gegen ein Paar Wurfspeere, die Waffe der besonders vorwitzigen Plänkler, die mit Streitwagen die feindlichen Linien entlangfuhren, um den Feind durch Beschimpfungen und Speerwürfe zu reizen. Der Greif, der zuvor die Mauern der erfundenen Stadt Cascaer bewachte, wanderte auf die Faust des Kriegers. Die stark stilisierten Arme sind von den Darstellungen auf dem Gundestrup-Kessel inspiriert – Ellenbogengelenke waren nicht so wichtig.

Die Zeichnung fertigte ich mit Adobe Illustrator an. Dort merkte ich bald, daß die Stadtmauer im Hintergrund nicht gut zur Geltung kommt, also stilisierte ich sie noch stärker und machte daraus einen Zinnenkranz. Inspiriert durch die Götterwelt des erfundenen Königreiches erhielten die Figuren einen Goldton, denn der dortige Gott des Krieges, Nasgadh, ist gleichzeitig der Sonnengott. Das i-Tüpfelchen sind die roten Augen von Krieger und Greif. In Szene gesetzt wurde der Entwurf in Photoshop.

Was noch fehlt, ist die praktische Umsetzung: ein Holzschild, bezogen mit grünem Leder, dünnes Silberblech mit schwarz geätztem Dekor für den Zinnenkranz, die Figuren handgetrieben aus Kupferfolie, anschließend vergoldet und mit einer Füllmasse stabilisiert, befestigt mit Nägelchen. Und natürlich die Augen aus rotem Glas. Wenn ich mal viel Zeit habe und sonst nichts zu tun …

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2 Antworten auf Von Lamanor zu Nasgadh

  1. Kyr sagt:

    Es sei der Hinweis erlaubt, dass das ursprüngliche Wappenschild von Ery ra Lamanor gefertigt wurde, sein Wappenschild war und der darauf befindliche “Krieger” natürlich Ery ra Lamanor selbst ist. Fehlt eigentlich nur noch “Ery ra Lamanors Methorn das niemals leer wird” – so (auch) zu finden in der A4-Ausgabe von MIDGARD, 2. Band “Schlüssel zum Abenteuer” von 1985.

  2. Ja, das ist alles richtig.

    Es wäre natürlich sehr schön gewesen, hätte besagtes Methorn, das niemals leer wird, auch zu dem Geschenk gehört. Leider war das nicht der Fall. Ich gehe mal davon aus, daß es an seinem ursprünglichen Ort noch gebraucht wurde …

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