… oder SRAM nehmen

Salsa Las Cruces Front

Salsa Las Cruces Front

Wem Campagnolo zu teuer ist und Shimano zu sehr nach Monopol riecht (obwohl sie das Microsoft der Radkomponenten sind, überzeugen sie jedoch für gewöhnlich mit bester Funktion), der kann zu Exoten greifen (die oft noch teurer oder minderwertig sind), oder SRAM nehmen.

Für den Neuaufbau meines Crossrades habe ich mich für die Mittelklassegruppe „Rival“ von SRAM entschieden (Kompakt 50/34 und 11-28). Die gab’s reduziert (519 € statt 650-680 €) von s-tec: dauerte allerdings fast drei Wochen statt der versprochenen einen, bis der Kram da war, Züge waren auch dabei (sollten nicht, warum ich mir extra welche bestellt hatte – na, Danke!) und gleich zwei Innenlager. Die Rennradbremsen und das zweite Innenlager in der Bucht verkauft und mein Antrieb kostete effektiv 440 €.

Shimano wird wegen der butterweichen und präzisen Aktion gelobt, Campa für’s geringe Gewicht. SRAM bietet beides, wobei die Schaltvorgänge vorne in Maßen „knackig“ genannt werden können; dabei sind die Teile leichter als die direkte Konkurrenz.
Die DoubleTap-Schaltbremshebel sind simpel, der Bremshebel aus Carbon schwenkt nicht mit, der Schalthebel dahinter schaltet bei geringem Ausschlag auf kleinere Ritzel/Blätter, bei größerem Ausschlag auf größere – hinten bis zu drei auf einmal. Nach kurzer Gewöhnung klappt das gut. Nur die Trimmstufe am linken Hebel (um schräglaufende Kombinationen auszugleichen) hat für mich keine erkennbare Wirkung. Die Griffweite ist einstellbar, dafür ist das Griffgefühl mau – die Überzüge wirken labberig und billig.
Der Umwerfer ist stramm (unbedingt Zugführung unter dem Tretlager fetten!), das Schaltwerk präzise, nur die Kassette gefällt mir nicht – die läßt sich auf dem Shimano-kompatiblen Mavic-Rotor nicht final festziehen, so daß minimales Spiel bleibt.

Insgesamt eine gute Gruppe. Die klassische Optik stimmt auch. Alternativ hätte es bei s-tec für 419 € die graue Ultegra SL von 2009 gegeben, aber es geht halt auch ohne Shimano.

Eine Kuriosität gab’s auch noch: Das Innenlager ist sowohl für 68 mm als auch für 73 mm Tretlagergehäuse ausgelegt – für die Verwendung mit 68 mm muß man links und rechts zwischen Lagerschalen und Gehäuse je einen 2,5 mm dicken Distanzring aus Aluminium einsetzen. 68 + 2,5 + 2,5 = 73 … Logisch, oder?

In der Praxis führte das dazu, daß sich bei Anwendung des vorgeschriebenen Drehmoments am linken Kurbelarm selbiger so fest ans Lager zog, daß dieses festging und sich keinen Millimeter mehr rührte. Und erfahrungsgemäß muß man ja Kurbelarme nach ein paar Kilometern sogar noch nachziehen …

Testweise das Lager ohne Distanzringe eingebaut: natürlich hatte die Kurbel jetzt viel zu viel Spiel und man konnte sie sogar hin und her schieben. Logisch.

Im Geiste sah ich mich schon das Tretlagergehäuse planfräsen (und erstmal die 70 Ohren für das nötige Spezialwerkzeug hinlegen). Also hab’ ich nochmal nachgemessen: 68 mm, exakt. …

Nur auf Verdacht habe ich dann den linken Distanzring weggelassen und die Kurbel ordentlich festgezogen, gelöst, die Achse neu gefettet und den Kurbelarm erneut festgezogen. Und siehe da: alles perfekt! Kein Achsspiel, alles läuft rund und nun ist der Abstand der Kurbelarme zu den Kettenstreben links und rechts identisch.

Was müssen dann aber die fluchen, die das Lager mit einem 73-mm-Gehäuse verwenden wollen? Die werden das vorgeschriebene Drehmoment am linken Arm nie erreichen …!

Nachtrag 23. Februar 2011

Nachdem das Rad mehrere Monate bei jedem Wetter bewegt worden war, insgesamt etwa 2.500 km, versagte mitten im Schneechaos der rechte Schaltbremshebel: auf kleinere Gänge schalten ging kaum noch, die Rasterung rutschte einfach durch, größere Gänge waren auch nur bedingt zu erreichen. Ich mußte den Hebel reklamieren und einschicken.

Nach einer Bearbeitungszeit von ca. einer Woche inkl. Versand hat s-tec den Hebel anstandslos getauscht. Bin mal gespannt …

Bei der Gelegenheit werde ich wohl auch die Kette tauschen. Im letzten tour-Test haben die SRAM-Ketten allesamt eher mäßig abgeschnitten. Der beste Kompromiß aus Haltbarkeit, Preis und Schaltpräzision dürfte eine … *räusper* … Shimano 105 sein. Zum Glück sind da keine erkennbaren Logos drauf …

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Eine Antwort auf … oder SRAM nehmen

  1. Ralf Grosser sagt:

    Ich gebe dir Recht, Shimano ist seit dem wefall von Suntour der japanische Monopolist, und Campa nur was für Verrückte mit zuviel Geld. Ich bin froh, daß ichan meiner Rennmaschine noch Naben, Schaltwerk und Umwerfer von Mavic fahre.

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